Erfahrene Anleger wissen: "Never catch a falling knife". Es ist allerdings nicht immer sinnvoll, abstürzende Börsenkurse mit einem fallenden Messer zu vergleichen, sagt Christian Schmitt, Portfoliomanager bei Ethenea. Zwar konnte, wer diese Börsenweisheit beherzigte, im laufenden Jahr etwa das Wirecard-Debakel gelassen von der Seitenlinie beobachten. "Auf der anderen Seite stehen jedoch zahlreiche verpasste Einstiegschancen in attraktive Aktien, die seit den Turbulenzen im Frühjahr die Wende nach oben geschafft haben", sagt Schmitt.

Wie gefährlich fallende Kurse sind, hängt immer von den Umständen ab, betont der Anlageprofi. So schlagen Einzeltitel, wenn es erst einmal steil abwärts geht, früher oder später oft hart auf dem Boden auf. "Jegliche Fangversuche auf dem Weg Richtung Null enden zwangsläufig blutig", so Schmitt. "Die bereits zurückgelegte Fallhöhe ist dabei unerheblich." Auch wenn der Kurs bereits um 98 Prozent gefallen ist, verliert ein Investor, der an diesem Punkt neu einsteigt, schließlich auf dem Weg zu minus 99 Prozent die Hälfte seines Investments.

Einzeltitel-Erfahrungen taugen nicht für diversifizierte Anlagen
Betrachtet man den breiten Markt, entpuppt sich die vermeintlich schneidige Börsenweisheit allerdings als stumpfes Schwert. Der Gesamtmarkt befand sich schon oft im freien Fall – und schaffte immer wieder die Trendwende. Erfahrene Investoren wissen, woran das liegt: an einem Phänomen namens "Mean Reversion", zu Deutsch: "Rückkehr zum Mittelwert". Dieser Mittelwert wird immer deutlich größer als Null sein, erklärt der Ethenea-Manager. "Damit steigt mit jedem Prozent Kursrückgang am globalen Aktienmarkt die Wahrscheinlichkeit, dass man auf mittlere Sicht wieder einen attraktiven Kursgewinn vereinnahmen kann." (fp)