Der europäische Aktienindex Euro Stoxx 50 weist aus charttechnischer Sicht eine Besonderheit auf: So sehr wie bei kaum einem anderen Marktbarometer entscheidet sich sein Wohl oder Wehe in einem engen Korridor, schreibt Wieland Staud, Leiter der Staud Research GmbH, in seiner Kolumne in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Zwischen 3.830 und 3.890 Zählern zeigt sich, ob es künftig nach oben oder nach unten geht. "Dieser Bereich ist der Rubikon", sagt Staud. "Drunter bleibt’s heikel – drüber wartet das Schlaraffenland." In vier Jahrzehnten Börsenbeobachtung habe er etwas Vergleichbares nie gesehen.

Aktuell steht der Euro Stoxx 50 bei rund 3.860 Punkten, befindet sich also mitten in der kritischen Zone. Diesmal könnte er von dort aus nach oben ausbrechen, sagt Staud. Ab einem Schlusskurs von mehr als 3.890 Punkten, wenn also der Rubikon überschritten ist, dürfte es auf direktem Weg ins Schlaraffenland gehen. Wielands Kursziel bei 4.500 Zählern ist zwar recht überschaubar. "Aber erstens muss die Party dort nicht vorbei sein, und zweitens gebietet es die Vorsicht, vor lauter Freude nicht schon den zweiten vor dem ersten Schritt zu tun", erklärt der Charttechniker.

Es kann auch wieder abwärts gehen
Wer ins Schlaraffenland will, muss sich zuerst durch einen Berg aus Hirsebrei futtern. Auch für den europäischen Aktienindex sieht Staud ein Hindernis auf dem Weg nach oben: Sollte er es nicht schaffen, die Widerstandszone zu überwinden, sollte er im Hirsebrei steckenbleiben, sieht es schlecht aus.

Das Barometer stünde dann zwar nicht notwendigerweise, wie noch vor einem Jahr, wieder am Abgrund und wäre kurz darauf sogar noch einen Schritt weiter, schreibt der Experte in der FAZ. "Aber ein ernsthaftes Problem hätte er sich wahrscheinlich schon zugelegt." (fp)