Euro-Offensive: Finanzminister wollen Dollar-Dominanz brechen
Die Euro-Finanzminister beraten über neue Schritte zur Stärkung der Gemeinschaftswährung. Ziel ist es, Emissionen, Handel und internationale Liquidität stärker auf den Euro auszurichten – und Europas finanzielle Abhängigkeiten zu verringern.
Die Finanzminister der Eurozone wollen Optionen erörtern, um die Nutzung der Gemeinschaftswährung bei Emissionen und Transaktionen zu fördern. Dies ist Teil der Bemühungen, die globale Rolle des Euro zu stärken und Europas finanzielle Unabhängigkeit zu festigen.
"Es wäre sinnvoll, den Dialog mit wichtigen Akteuren der Industrie – etwa aus den Bereichen Energie, kritische Rohstoffe, Luftverkehr und Verteidigung – wieder aufzunehmen, um die Rechnungsstellungspraxis, die Preisgestaltungspraxis, die Praxis der öffentlichen Auftragsvergabe und die Zahlungspräferenzen im Hinblick auf die Nutzung des Euro neu zu bewerten", heißt es in einem Papier der Europäischen Kommission zur Vorbereitung des Treffens der Finanzminister am Montag (16.2.).
Weniger Abhängigkeit vom Dollar
Vertreter der Politik in Europa haben wiederholt gefordert, die Abhängigkeit vom Dollar zu verringern und die internationale Rolle des Euro auszubauen – vor dem Hintergrund des verschärften Wettbewerbs mit den USA und China, den wichtigsten Handelspartnern der Union. Mehr Transaktionen in Euro gelten zudem als Möglichkeit, die Auswirkungen von Währungsschwankungen zu begrenzen.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte im vergangenen Herbst, "eine stärkere Nutzung des Euro bei der Handelsabrechnung würde die Transaktionskosten für Exporteure senken und die Preise im Euroraum vor Wechselkursschwankungen schützen".
Fokus auf Energieexporteure und Euro-Anleihen
Im Hinblick auf die Rechnungsstellung empfiehlt das Kommissionspapier, das der Nachrichtenagentur "Bloomberg" vorliegt, insbesondere die größten Energieexporteure ins Visier zu nehmen. Zudem werden die Vorteile einer stärkeren Einbindung von Drittstaaten und Unternehmen hervorgehoben, um die Emission von auf Euro lautenden Anleihen durch staatliche und private Emittenten zu fördern.
EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone erklärte am Donnerstag (12.2.) in Rom, eine stärkere Nutzung des Euro trage dazu bei, den Euroraum weniger anfällig für Übertragungseffekte externer Schocks zu machen. Die Verwendung der Gemeinschaftswährung bei der Handelsabrechnung verringere "die Weitergabe von Wechselkursschocks an die inländische Inflation", fügte er hinzu.
Mehr "Euro-Diplomatie" und Liquidität
Im Rahmen der Bemühungen zur Stärkung der internationalen Rolle der Währung fordert das Kommissionsdokument zudem eine Intensivierung der "Euro-Diplomatie", indem Partnerländern der Zugang zu Euro-Liquidität zugesichert wird.
"Da die Vereinigten Staaten in Krisenzeiten möglicherweise weniger geneigt sind, Dollar-Liquidität bereitzustellen, könnte das Angebot von in Euro denominierter Liquidität an Partnerländer eine wertvolle Ergänzung zur Handelsstrategie der EU darstellen und die internationale Rolle des Euro stärken", heißt es in dem Dokument.
Neugestaltung des EZB-Liquiditätsrahmenwerks
Lagarde ließ bereits durchblicken, dass in dieser Hinsicht etwas in Arbeit sei, und sagte vorige Woche, die EZB sei dabei, ihr Liquiditätsrahmenwerk neu zu gestalten, um den Zugang zu öffnen und Repo-Linien für Zentralbanken außerhalb der Eurozone und außerhalb Europas "attraktiver" zu machen.
Unter Bezugnahme auf diese Aussagen erklärte Cipollone am Donnerstag, die EZB habe sich "darauf vorbereitet, den Zugang zu unseren Repo-Linien auszuweiten und zu erleichtern – als Reaktion auf zunehmende globale Fragmentierung und Unsicherheit". (mb/Bloomberg)















