Die deutsche Industrie steckt in der technischen Rezession, Europa in der Krise, US-Präsident Donald Trump sorgt für Unsicherheit – und keinen Politiker interessiert’s. So nimmt es zumindest Thomas Böckelmann wahr, leitender Portfoliomanager der Vermögensverwaltung Euroswitch. "Zuletzt schien es, als würden Klimawandel, Rettungsschiffe im Mittelmeer und E-Roller das Weltgeschehen bestimmen", sagt Böckelmann. So sei es aber ganz und gar nicht. 

Die Kapitalmärkte hätten aus der unsicheren Gemengelage im August eigene, sehr widersprüchliche Weltbilder entwickelt, stellt der Portfoliomanager fest. "Insbesondere Aktien in Wachstumsbranchen profitieren von der Hoffnung auf einen erneuten Geldsegen durch die Notenbanken, Wirtschaftsförderungen am Vorabend einer drohenden Rezession sowie der Tatsache, dass nach jüngsten Einbrüchen bei den Renditen der letzte erkannt hat, dass Zinsanlagen keine fundamental zu rechtfertigende Anlagealternativen mehr sind." Die Bewertungen einzelner Aktien seien deshalb ähnlich stark gestiegen wie vor dem Platzen der Technologieblase im Jahr 2000. Anleger müssten deshalb momentan äußerst selektiv vorgehen.

Anleiheinvestoren rechnen offenbar mit längerer Rezession
An den Anleihemärkten sieht es anders aus: "Wer auf europäische Renditen blickt, erwartet eine tiefgreifende, mehrjährige Rezession", sagt Böckelmann. Der Portfoliomanager selbst hat bereits reagiert und sein strategisches Profil bei der Aktienauswahl zuletzt geschärft. Bei aus seiner Sicht überbewerteten und rezessionsanfälligen Titeln hat er Gewinne mitgenommen. Und: "Unsere Krisenversicherung Gold haben wir in nahezu allen Strategien etwas ausgebaut." (fp)