Nachdem die ehemalige Präsidentin der amerikanischen Notenbank, Janet Yellen, noch im Juni 2017 eine Finanzkrise wie vor zehn Jahren in naher Zukunft ausgeschlossen hatte, warnt sie einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) zufolge jetzt vor gigantischen "Löchern im System" – die schlimmstenfalls bald zu einer weiteren Krise führen könnten. Besondere Sorgen bereiten ihr zwei Faktoren: US-Unternehmen haben enorm hohe Schulden, und zugleich neigt die US-Regierung dazu, die Aufsichtsregeln an den Finanzmärkten wieder zu lockern.

"Die Instrumente, um auf drohende Probleme zu reagieren, sind in den Vereinigten Staaten nicht sehr wirkungsvoll", gab sie in einem öffentlichen Gespräch in New York mit dem Ökonomen Paul Krugmann zu bedenken – und verwies dabei auf die Kredite an Unternehmen mit schwacher Bonität. Auch die US-Notenbank Fed ist wegen der sogenannten Leveraged Loans beunruhigt, lockerte aber trotzdem vor kurzem die Aufsichtsregeln für Banken. Neuerdings müssen nur die großen, international tätigen Banken wie die Bank of America oder JP Morgan strenge Eigenkapital- und Liquiditätsregeln (Basel III) einhalten. 

Unternehmensschulden und steigende Zinsen als weitere Risiken
Yellen betonte in dem Gespräch, die hohe Schuldenlast amerikanischer Unternehmen stelle in einem Abschwung ein Risiko dar, weil dann zahlreiche Insolvenzen drohten. Außerdem sieht sie in den steigenden US-Zinsen eine Gefahr für bonitätsschwache Schuldner, die riskante High-Yield-Anleihen begeben haben. Schwächere Unternehmen könnte der aktuell hohe Schuldendienst überfordern. Viele dieser Unternehmen müssten wegen des gestiegenen Ausfallrisikos höhere Zinsen zahlen. (fp)