Deutschland sollte nach dem Ende der Amtszeit von Christine Lagarde Ende 2027 erstmals den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) stellen, meint der frühere Wirtschaftsberater von Kanzlerin Angela Merkel, Lars-Hendrik Röller.

"Ich denke, es wäre an der Zeit, aber es ist kompliziert", sagte Röller am Donnerstag (23.10.) im Gespräch mit "Bloomberg TV" beim Berlin Global Dialogue. "Normalerweise ist das auch Teil eines größeren Personalpakets. Ich glaube, die anderen wichtigen Posten in Europa stehen derzeit nicht zur Disposition."

Führungswechsel bei der EZB steht bevor
Die EZB steht vor einem zweijährigen Umbruch, bei dem zwei Drittel der obersten Führungsebene ausgetauscht werden. Der Prozess beginnt mit der Suche nach einem Nachfolger für Vizepräsident Luis de Guindos, dessen Amtszeit im Mai 2026 endet. Danach steht ein Jahr später die Position des Chefökonomen zur Neubesetzung an – gefolgt von Lagardes Posten im Oktober 2027.

Deutschland noch nie an der EZB-Spitze
Seit der Gründung der EZB im Jahr 1998 war Deutschland zwar stets im sechsköpfigen Direktorium vertreten, hat aber noch nie den Vorsitz gestellt. Stattdessen kamen die bisherigen Präsidenten aus Frankreich (zwei Mal), Italien und den Niederlanden.

Kukies als möglicher Kandidat
Auf mögliche Kandidaten angesprochen, sagte Röller – Gründer und heutiger Vorsitzender des Berlin Global Dialogue: "Ich mag unseren ehemaligen Finanzminister Jörg Kukies."

"Ich halte ihn für eine gute Wahl, aber es gäbe auch andere", fügte er hinzu. "Ich denke, es ist wichtiger, dass es eine gute Person wird."

Gegen eine deutsche EZB-Präsidentschaft könnte sprechen, dass das Land bereits mehrere Spitzenpositionen in Europa innehat – vor allem die Kommissionspräsidentschaft von Ursula von der Leyen (bis 2029) sowie die Leitung des EZB-Aufsichtsgremiums durch Claudia Buch. (mb/Bloomberg)