Der Handelskonflikt zwischen den USA, China und der Europäischen Union (EU) hat derzeit enorme Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Insbesondere deutsche und europäische Aktien könnten jedoch bald von den Entwicklungen, die US-Präsident Donald Trump maßgeblich beeinflusst, profitieren, schätzt Ernst Konrad, Geschäftsführer bei Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement. Aktuell liegt die Aufmerksamkeit der Anleger auf den amerikanisch-chinesischen Verhandlungen, sagt Konrad. "Die bislang gegen die EU verhängten Maßnahmen sind eher symbolischer Natur." 
 
Trumps nächste Idee: Strafzölle auf Automobilexporte in Höhe von 25 Prozent. "Die könnten die Wirtschaftsleistung innerhalb der EU um bis zu 30 Milliarden Euro pro Jahr vermindern", sagt Konrad. Das wären 0,2 Prozent europaweit. Deutschland hingegen könnte es mit 0,6 Prozent härter treffen, schätzt der Experte. "Bei einem erwarteten Wirtschaftswachstum von nicht einmal mehr als einem Prozent wäre ohne fiskalische Gegenmaßnahmen eine Rezession kaum zu vermeiden." 
 
Verlangsamte Weltkonjunktur 
Die Weltkonjunktur zeigt aktuell deutliche Ermüdungserscheinungen. "Der Welthandel war im letzten Jahrzehnt einer der Wachstumstreiber. Verliert er seine Vorreiterrolle, werden auch die inländischen Nachfragekomponenten leiden", sagt Konrad. Und daher kann sich die Trump’sche Abkehr vom offenen Welthandel am Ende sogar gegen seine eigenen Interessen richten – und im Gegenteil mehr den Europäern nützen. 

Konrad argumentiert mit einer Art Bumerang-Effekt in der zweiten Runde: Die Verlierer der aktuellen Handelskonflikte, namentlich vor allem Asien und die EU, könnten nämlich die USA konjunkturell nach unten ziehen. Und dann könnte eine Phase folgen, in der die Gewinnerwartungen in den USA schrumpfen, während sich die Aussichten in Europa bereits wieder aufhellen. "Dies könnte unseres Erachtens die Initialzündung für europäische Aktien sein", sagt Konrad. (fp)