Die Geldmengen- und Kreditentwicklung im Euroraum hat zuletzt an Schwung verloren. Gleichzeitig sind die Inflationsrisiken gestiegen. In Deutschland ist das Preisplus auch im Mai größer als erwartet ausgefallen, die Inflationsrate sprang von zwei auf 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit hat die Euro-Inflation erstmals seit Herbst 2018 wieder die Zwei-Prozent-Marke geknackt. "Die neuen Daten zeigen, dass die EZB mit ihrer ultralockeren Geldpolitik zunehmend in schwierigeres Fahrwasser kommt", sagt Johannes Mayr, Chefökonom beim Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz.

Zwar spielen auch Sonderfaktoren eine Rolle. So treibt derzeit vor allem der deutliche Preisanstieg bei Rohstoffen die Teuerung nach oben. Die überraschend starke Aufwärtsdynamik seit Jahresbeginn dürfte innerhalb der Europäischen Zentralbank (EZB) dennoch Zweifel schüren, ob der beobachtete Anstieg wirklich nur temporärer Natur ist und zugleich die Frage aufwerfen, wie lange die europäischen Währungshüter ihre enorm expansive Geldpolitik fortsetzen können.

Spannende Zwischentöne
Noch dürften die Tauben im EZB-Rat die Oberhand behalten und für ein unverändert hohes Tempo der Anleihekäufe votieren, glaubt Mayr. Spannend dürften aber vor allem die Zwischentöne sein, die auf der Sitzung am 10. Juni zu hören sein werden. Mit Blick auf die kommenden Monate sollten sich Investoren auf das Aufflammen von Diskussionen über eine Drosselung der ultralockeren Zentralbankpolitik einstellen. (fp)