Die Teuerung ist zurück und hat in Deutschland ihren höchsten Stand seit zwei Jahren erreicht. Insbesondere steigende Energiepreise haben die Inflationsrate auf einen Wert von zwei Prozent angehoben. Hierzulande weckt die Geldentwertung traditionell starke Ängste bei Anlegern und Verbrauchern. Johannes Mayr, Chefvolkswirt von Eyb & Wallwitz, hält die Sorgen für unbegründet. "Der aktuelle Inflationsanstieg wird vor allem durch temporäre Effekte der Covid-Krise getrieben", sagt Mayr, "da die Preise vor einem Jahr deutlich gesunken waren, sich nun normalisieren und Produktionsrückstände die Preise von Vorleistungen anschieben."

Im zweiten Halbjahr sollte sich die Situation wieder entspannen, erwartet der Chefvolkswirt. Vor allem, weil sich andere Preistreiber wie die Entwicklung der Löhne aufgrund der Covid-19-Pandemie zurzeit in Grenzen halten. Laut dem Finanzexperten hängt das Risiko einer dauerhaften Inflation vor allem mit der Geldpolitik der Zentralbanken zusammen. "Wir schauen darauf, ob die Geldschwemme der Notenbanken tatsächlich in der privaten Wirtschaft ankommt und dort für eine Übernachfrage sorgt, wenn viel Geld auf wenig Angebot trifft", sagt Mayr. Die Hilfsprogramme europäischer Staaten fielen allerdings nicht so umfangreich aus wie zum Beispiel in den USA. 

Gesteigertes Inflationsrisiko in den USA
In den Vereinigten Staaten schätzt der Finanzexperte das Risiko einer nachhaltigen Inflation deutlich höher ein als in Europa. "Die Geldschwemme könnte in den USA schneller zum Problem werden", sagt Mayr. Durch die Transferzahlungen der Biden-Regierung sei die Geldmenge in den Händen der privaten Wirtschaft deutlich stärker gestiegen als in Europa.

Ein Anstieg der Inflation wäre vor allem für Sparer und Anleger, die auf festverzinsliche Wertpapiere setzen, problematisch. Denn mit der Teuerung rutschen die Realzinsen noch weiter in den negativen Bereich. Nach Ansicht des Experten könnte ein zu rascher Ausstieg der EZB aus der lockeren Geldpolitik wiederum für Investoren am Aktienmarkt riskant sein. (fp)