Die Weltwirtschaft steuert mit Vollgas auf die schwerste Rezession seit der großen Depression nach 1929 zu, sind Ökonomen überzeugt. Doch das ist schwer zu glauben, wenn man einen Blick auf die Börsen wirft. "In der Tat steckt derzeit eine Menge Hoffnung in den Kursen", sagt Georg von Wallwitz, Geschäftsführer und Fondsmanager beim Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz. Die Finanzmärkte sind vom Glauben an eine schnelle Erholung beseelt. Zum einen,
weil die Rezession nicht strukturell bedingt ist, zum anderen, weil das Virus in vielen Ländern unter Kontrolle zu sein scheint.

Doch die Ruhe könnte trügerisch sein. "Wie fest der Glaube ist, wird sich wohl erst zeigen, wenn im Herbst die große Insolvenzwelle im Mittelstand kommt. Dann könnte sich herausstellen, dass die Märkte zu teuer sind für allzu schlechte Fundamentaldaten", prognostiziert von Wallwitz. Gleichwohl sei das, was vor kurzem noch das optimistische Szenario gewesen wäre, heute das realistische. "Regierungen verhindern, dass prinzipiell gesunde Unternehmen aus Gründen, die jenseits ihrer Kontrolle liegen, pleitegehen. Die Staaten haben die Mittel, die Lage zu retten und sie setzen sie richtig ein," so Wallwitz. 

Auf Sicht fahren
"Wo das Virus sich weiter schnell ausbreitet, ist dies den politischen, sozialen oder medizinischen Umständen geschuldet, nicht epidemiologischem Unwissen", sagt Wallwitz. "Gleichwohl sind Investoren, ähnlich wie Zentralbanken und Gesundheitsämter, gut beraten, weiterhin auf Sicht zu fahren und allenfalls moderate Risikopositionen einzugehen." Der positive Ausblick sei mittlerweile in den Kursen enthalten. "Und wenn die Hoffnung schwindet, fallen diese erfahrungsgemäß schnell", sagt der Vermögensverwalter. (fp)