Anleihen sind nicht mehr das, was sie mal waren. Standen sie früher einmal für ein regelmäßiges, solides Einkommen aus Couponzahlungen, werden sie heute angesichts anhaltend tiefer Zinsen immer unattraktiver, sagt Georg Graf von Wallwitz, Chef der Vermögensverwaltung Eyb & Wallwitz. Das bedeute zwar nicht, "dass Anleihen heute kein gutes Investment mehr sind." Schließlich halten die Zentralbanken die Nachfrage durch Anleihekäufe stabil. Dennoch steige das Risiko dieser Anlageklasse.

Denn: "Ohne Zins sind Anleihen volatiler und der Kauflaune der Zentralbanken sowie der Entwicklung des Zinsniveaus ungebremst ausgesetzt", warnt von Wallwitz. Damit gleiche sich der Anleihe- immer mehr dem Aktienmarkt an, sodass Bonds kaum noch dafür sorgen könnten, das Portfolio zu diversifizieren und Risiken am Aktienmarkt auszugleichen. Das Investmentwagnis beider Anlageklassen sei deshalb ähnlich hoch – auch, was einen möglichen Crash betrifft. "Doch mit Aktien wird der Anleger für das Risiko, das er eingeht, besser bezahlt", sagt der Fondsmanager.

Paradoxer Anleihemarkt
Da der Risikobegriff häufig mit Volatilität gleichgesetzt werde, gelten Anleihen als weniger riskantes Investment und werden deshalb noch immer als ausgleichender Gegenpart zu Aktien empfohlen. Mittlerweile spricht von Wallwitz zufolge aber Einiges dafür, dass Anleihemärkte künftig ebenfalls stark schwanken werden – und sich obendrein in ihrem Wert schlechter entwickeln als Aktien. Er plädiert deshalb dafür, Anlagen wieder stärker nach ihrem inneren Wert zu bemessen. (fp)