EZB-Direktorin Schnabel fordert weitere Zinsschritte
Hohe Energiepreise und eine robuste Konjunktur erhöhen laut Isabel Schnabel die Inflationsgefahr. Das EZB-Direktoriumsmitglied hält deshalb eine weitere Straffung der Geldpolitik für notwendig.
EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel zufolge müssen die Zinsen weiter steigen. Der langwierige Konflikt im Nahen Osten und die überraschend robuste Wirtschaft im Euroraum bergen aus ihrer Sicht Aufwärtsrisiken für die Inflation.
Wegen der hohen Energiekosten dürfte der Anstieg der Verbraucherpreise für einen "längeren Zeitraum" über zwei Prozent liegen, sagte die deutsche Notenbankerin. Erst zu reagieren, wenn sich dies in den Löhnen niederschlage, würde bedeuten, dass die Währungshüter "hinter die Kurve" gerieten, warnte sie.
"Beim derzeitigen Leitzins dürfte die Inflation mittelfristig nicht zum Zielwert zurückkehren, weshalb eine weitere Straffung notwendig sein wird", sagte Schnabel am Dienstag (25.8.) gegenüber "Bloomberg". "Gerade im derzeitigen Umfeld einer robusten gesamtwirtschaftlichen Nachfrage ist es entscheidend, das Auftreten von Zweitrundeneffekten frühzeitig zu verhindern, da ein spätes Handeln eine stärkere Straffung erforderlich machen könnte."
Märkte rechnen mit weiterem Zinsschritt
Die EZB war die erste große Zentralbank, die wegen des Iran-Kriegs die Kreditkosten anhob. Vertreter der Notenbank haben die Sitzung im kommenden Monat als entscheidenden Zeitpunkt bezeichnet, um festzustellen, ob weitere Schritte erforderlich sind. Anleger preisen eine Anhebung um einen Viertelprozentpunkt nahezu vollständig ein, wodurch der Einlagensatz auf 2,5 Prozent steigen würde. Bis zum Frühjahr 2027 rechnen sie mit einem weiteren Schritt, möglicherweise bereits im Dezember.
Schnabel sagte, die Märkte "scheinen unsere Reaktionsfunktion sehr gut zu verstehen", ohne näher darauf einzugehen, wie stark die Zinsen noch steigen dürften.
Wirtschaft stärker als erwartet
Schnabels Argument einer widerstandsfähigen europäischen Wirtschaft wird durch am Dienstag veröffentlichte Daten gestützt. Demnach wuchs die deutsche Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal stärker als zunächst geschätzt. Der Euroraum legte in diesem Zeitraum um 0,4 Prozent zu, nachdem die Wirtschaft Anfang 2026 stagniert hatte.
"Die Wirtschaft entwickelt sich weiterhin stärker als erwartet, und die eingehenden Daten haben wiederholt positiv überrascht", sagte Schnabel. Als wesentliche Treiber nannte sie die Fiskalpolitik, steigende Verteidigungsausgaben und den weltweiten KI-Boom.
"Stimmungsindikatoren deuten darauf hin, dass das Wachstum weiter an Dynamik gewinnt", sagte sie. "Verglichen mit den Prognosen der Experten vom Juni sehe ich die Risiken für das Wirtschaftswachstum daher eher auf der Aufwärtsseite."
Gaspreise bereiten Sorgen
Mit Blick auf die Inflation, die im Juli auf 2,9 Prozent gestiegen ist, warnte Schnabel davor, dass der von den Energiepreisen ausgehende Druck über den Ölpreis hinaus zunehmend anhalte. Die Entwicklung bei Erdgas sei angesichts der niedrigen europäischen Speicherstände "besonders besorgniserregend", sagte sie.
"Dies birgt erhebliche Aufwärtsrisiken für die Inflation", sagte Schnabel. "Je länger der Konflikt andauert, desto größer sind das Risiko und die Intensität indirekter Effekte und von Zweitrundeneffekten, insbesondere wenn die gesamtwirtschaftliche Nachfrage robust bleibt."
Eine zentrale Frage ist, ob die Zinsen auf ein Niveau angehoben werden müssen, auf dem sie die Wirtschaftsaktivität bremsen. EZB-Chefökonom Philip Lane hatte darauf hingewiesen, dass 2,5 Prozent derzeit die Obergrenze einer Spanne darstellen, innerhalb derer die Kreditkosten eine neutrale Wirkung haben. "Wie viel weitere Straffung erforderlich ist, wird von den eingehenden Daten abhängen", sagte Schnabel. (mb/Bloomberg)














