In der vergangenen Woche haben die Sorgen an den Anleihemärkten zugenommen. Zum einen kam es jüngst zu einem Anstieg der Renditen. Zum anderen plagt Marktteilnehmer die Angst vor einem Comeback der Inflation. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat diese Risiken erkannt und reagiert. Bei ihrer turnusmäßigen Sitzung am gestrigen Donnerstag (11.03.) setzte sie ihre Inflationsprognose deutlich hoch und verkündete, dass sie das Tempo ihrer Anleihekäufe erhöhen wird, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Im nächsten Vierteljahr sollten die Käufe im Rahmen des Krisenprogramms PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) demnach "deutlich umfangreicher" ausfallen als in den ersten Monaten des Jahres. 

Das Corona-Notkaufprogramm für Staatsanleihen und Wertpapiere von Unternehmen hatten die Währungshüter zuletzt im vergangenen Dezember um 500 Milliarden Euro auf 1,85 Billionen Euro aufgestockt und die Mindestlaufzeit des Programms bis Ende März 2022 verlängert. Daran will die EZB erstmal nicht rütteln. Stattdessen wollen die Währungshüter die Käufe beschleunigen, berichtet das "Manager Magazin". "Diese Linie macht Sinn", sagt Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank. Nicht jeder Renditeanstieg sei gleich ein geldpolitisches Problem, welches einer scharfen Antwort mit Langzeitwirkung bedürfe. "Vor allem angesichts der Tatsache, dass sich die Renditen für Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren gerade mal um 0,3 Prozentpunkte nach oben bewegt hatten", sagt Lang.

Unklarheiten bleiben
In den ersten Monaten dieses Jahres war das Tempo der EZB-Anleihekäufe auf etwa 14 Milliarden Euro pro Woche gesunken, verglichen mit etwa 20 Milliarden Euro zuvor. "Anleger befürchteten, dass die EZB ein heimliches Tapering durchführt", sagt David Riley, Chef-Anlagestratege beim Vermögensverwalter Bluebay Asset Management. Die Befürchtung, dass die EZB die Wertpapierkäufe ohne direkte Ankündigung schrittweise einschränken könnte, auch als "Stealth Taper" bezeichnet, sei nun vom Tisch. "Die EZB und Präsidentin Lagarde gaben ein deutliches Signal, dass sie handeln werden, um zu verhindern, dass höhere Renditen von US-Staatsanleihen zu einer ungerechtfertigten Verschärfung der finanziellen Bedingungen in der Eurozone führen", resümiert Riley.

Die Ankündigung von Lagarde stößt bei Marktexperten jedoch nicht ausschließlich auf Zuspruch. So fragt sich Ulrike Kastens, Volkswirtin beim Vermögensverwalter DWS, "wie die EZB günstige Finanzierungsbedingungen definiert und welcher Renditeniveaus von Staatsanleihen es entsprechend bedarf." Zwar hätte die EZB ausdrücklich betont, dass sie keine Kontrolle der Renditestrukturkurve betreibt. "Implizit strebt sie sie jedoch an, ohne aber Renditeziele zu nennen", sagt Kastens. Diese Unsicherheit über den Kurs der EZB dürfe weiterhin für Volatilität am Renten- und Devisenmarkt sorgen.

Höhere Inflationserwartung
In diesem Jahr rechnet EZB-Chefin Christine Lagarde nun mit einer Inflationsrate von 1,5 Prozent anstelle von 1,2 Prozent. Auch die Vorhersage für das kommende Jahr hat Lagarde angepasst: 2022 rechnet die Notenbank-Chefin nun mit einer Inflationsrate von 1,2 statt 1,1 Prozent. "Die anziehenden Inflationserwartungen verbunden mit einem sich verbessernden Konjunkturausblick sind doch genau der Mix, den sich die EZB-Entscheider schon so lange wünschen", sagt Lang. In der Tat strebt die EZB langfristig ein Inflationsziel von "unter aber nahe zwei Prozent" an. 

Für das Jahr 2023 hat die EZB ihre Inflationserwartung bei 1,4 Prozent belassen. "Die Tatsache, dass ihre Inflationsprognosen immer noch eine signifikante Abweichung von ihrem eigenen Ziel aufweisen, sollte Anlass zur Sorge sein", sagt Andy Mulliner, Portfolio Manager beim Vermögensverwalter Janus Henderson Investors. In diesem Kontext hätte sich die EZB entschieden zu handeln. (fp)