Es gebe keinen Grund, Geldmärkte anzuzweifeln, die auf einen Einlagensatz von Null in diesem Jahr wetten, so Martins Kazaks, der Gouverneur der lettischen Zentralbank. Ebensowenig Gründe gebe es dafür, den Zinssatz länger als nötig auf diesem "magischen Wert" zu belassen. "Eine Zinserhöhung im Juli ist möglich", sagte er in einem Bloomberg-Interview. "Wir befinden uns auf einem soliden Weg der geldpolitischen Normalisierung", auf dem "wir Schritt für Schritt allmählich auf null und dann über null kommen."

"Schrittweise bedeutet nicht langsam"
Die Notenbanken der USA und Großbritanniens sind bei der Rückführung ihrer Krisenmaßnahmen schon weiter. Von einigen Seiten gibt es daher bereits kritische Stimmen, das bedächtigere Vorgehen der EZB könnte zu langsam sein. "Schrittweise bedeutet nicht langsam", so Kazaks. "Es bedeutet nicht, bewusst hinterher zu hinken. Es bedeutet nur zu prüfen, ob die ergriffenen geldpolitischen Maßnahmen angemessen sind."

Der EZB-Rat sieht weiterhin die Beendigung seines Anleihekaufprogramms von 2015 als Voraussetzung für die erste Zinserhöhung seit mehr als einem Jahrzehnt. Die Entscheidung darüber steht auf der Tagesordnung der Sitzung am 8. und 9. Juni, bei der auch neue volkswirtschaftliche Prognosen vorliegen werden. (mb/Bloomberg)