Der nun seit Jahren anhaltende Immobilienpreisboom hat im zweiten Quartal des laufenden Jahres seinen Höhepunkt erreicht: Im europäischen Durchschnitt stiegen die Preise für Wohneigentum um 7,3 Prozent – so stark wie seit 2005 nicht mehr. Besonders betroffen sind Deutschland und Österreich, in deren Metropolen die Preise von Häusern und Wohnungen regelrecht explodieren. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht nun Anzeichen für eine Immobilienblase, berichtet der "Tagesspiegel". Immer mehr Haushalte in Europa gehen massiv ins Obligo, um den Traum von den eigenen vier Wänden wahr werden zu lassen. Besonders besorgniserregend sind aus EZB-Sicht Finanzierungsmodelle mit variablen Darlehen und kurzen Kreditlaufzeiten. Steigende Zinsen könnten zahlreiche Kreditnehmer raschtilgungsunfähig machen. 

Wer nun Sorge vor einer platzenden Immobilienblase wie in den USA zuzeiten der Finanzkrise 2008 hat, bekommt jedoch von anderen Finanzmarktexperten Entwarnung. "Eine solche Entwicklung wie damals gibt es bei deutschen Banken nicht. Es drohen keine systematischen Zahlungsausfälle“, zitiert der "Tagesspiegel“ Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. In den USA seien damals ziemlich wahl- und sorglos Kredite etwa auch an Langzeit-Arbeitslose vergeben worden, die mit den Raten alsbald nicht hinterher kamen.

Immer mehr Vollfinanzierungen
Deutsche Banken haben zwar höhere Anforderungen an ihre Kreditnehmer als die US-Banken damals, doch der Anteil risikoreicher 100-Prozent-Finanzierungen ohne nennenswertes Eigenkapital hat spürbar zugenommen. Voigtländer sieht zwei Auswege, sollte der europäische Immobilienmarkt tatsächlich außer Kontrolle geraten: Eine Anhebung der Zinsen oder Vorgaben für höhere Eigenkapitalquoten bei den Banken. Beides dürfte die Immobiliennachfrage zurückgehen lassen. 

Allerdings sind derlei rigide Restriktionen aus seiner Sicht derzeit nicht notwendig, im Gegenteil: Voigtländer hält die aktuelle Marktlage noch für günstig, denn die niedrigen Zinsen ermöglichen einigermaßen solventen Mietern den Absprung ins Eigenheim. Vielmehr plädiert er für monetäre Erleichterungen seitens des deutschen Gesetzgebers – etwa über eine wegfallende Grunderwerbsteuer für Erstkäufer. (fp)