Cyberattacken werden zu einem immer größeren Problem: Die Zahl der an die Europäische Zentralbank (EZB) gemeldeten Cyberangriffe ist im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 54 Prozent gestiegen. Jetzt fürchtet EZB-Chefin Christine Lagarde einen umfassenden Angriff auf das europäische Finanzsystem. "Cyberattacken stellen ein systemisches Risiko dar", zitiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) die EZB-Präsidentin aus der Jahreskonferenz des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (ESRB) vom Mittwoch (08.12.). Ein Hackerangriff auf europäische Finanzinstitute sei demnach nur noch eine Frage des "Wann" – nicht länger des "Ob".

Dafür gibt es drei Gründe, betonte Lagarde. Erstens mache eine fortschreitende Digitalisierung Unternehmen immer anfälliger für Cyberangriffe; zumal wegen Corona viele Arbeitnehmer aus dem Homeoffice mit sensiblen Daten arbeiten. Zweitens können sich Cyberangriffe immer schneller verbreiten, da die Vernetzung von Informationssystemen untereinander zunimmt. "Deshalb kann sich ein Cybervorfall schnell von einer betrieblichen Störung zu einem systemischen Ereignis ausweiten", befürchtet Lagarde. Und last but not least gehen Hacker immer raffinierter vor. 

Das Vertrauen ins Finanzsystem steht auf dem Spiel
Dass der Finanzsektor unter Beschuss von Hackern steht, ist durchaus problematisch: Ein gesundes Finanzsystem hängt immer vom der Vertrauenswürdigkeit, Integrität und Verfügbarkeit ab. Hackerangriffe wie zuletzt auf die Haftpflichtkasse Darmstadt oder IT-Pannen wie bei der Comdirect-Bank, bei der sensible Kundendaten plötzlich öffentlich verfügbar waren oder im Darknet auftauchten, schädigen das Vertrauen der Menschen in das Finanzsystem nachhaltig. 

Deshalb ist "der Finanzsektor auf eine robuste Informationstechnologie angewiesen", zitiert die FAZ Lagarde. Alle beteiligten Institutionen müssten sich vorbereiten; dazu will der EU-Ausschuss für systemische Risiken ein Rahmenwerk vorlegen, wie Unternehmen im Falle eines Hackerangriffs reagieren müssen.  "Wenn ein solches Ereignis eintritt, ist eine koordinierte und rasche Antwort unerlässlich", fordert Lagarde. (fp)