In den ersten drei Quartalen des Jahres 2018 wurden mindestens 927 Millionen US-Dollar an Kryptowährung gestohlen. Darunter fallen die 530 Millionen US-Dollar, die in Japan von Coincheck abgesaugt wurden und die 195 Millionen US-Dollar, die bei BitGrail abhanden kamen. Wie das Analysehaus Ciphertrace berichtet, habe man von weiteren 60 Millionen US-Dollar Kenntnis, deren Diebstahl nie öffentlich berichtet wurde.

Das Analyseunternehmen geht davon aus, dass bis Jahresende der gestohlene Betrag auf über eine Milliarde US-Dollar anschwillt. 2017 seien von Kryptobörsen und Handelsplattformen "nur" 266 Millionen gestohlen worden. 

Unregulierte Märkte machen es Geldwäschern leicht
Es zeigt sich auch, wie wirkungsvoll es ist, Anti-Geldwäschestandards (AML-Standards) auf den Kryptowährungsbereich zu übertragen – beziehungsweise umgekehrt, wie leicht Länder mit geringem Regulierungsaufkommen zum Eldorado für Kriminelle werden. Eine quantitative Analyse aller Transaktionen an den 20 größten Kryptowährungsbörsen ergab, dass 97 Prozent der direkten Bitcoin-Zahlungen, die aus identifizierbaren kriminellen Quellen stammen, an unregulierte Kryptowährungsbörsen gingen. Umgekehrt gingen 95 Prozent der Bitcoins, die an Kriminelle bezahlt wurden, von unregulierten Börsen aus, heißt es.

In Ländern mit geringen AML-Vorschriften haben rund 4,7 Prozent der erhaltenen Bitcoins einen kriminellen Hintergrund. In Ländern mit hohen Standards sind es laut CipherTrace 0,12 Prozent.

Mindestens 2,5 Milliarden Dollar "gewaschen"
Die Analyse identifizierte 380.155 Bitcoins, die große Kryptobörsen zwischen dem 9. Januar 2009 und dem 20. September 2018 direkt aus kriminellen Quellen empfangen haben. Allein die 20 größten Kryptobörsen dürften damit 2,5 Milliarden Dollar (berechnet nach heutigem Kurs) "weißgewaschen" haben. Dabei handelt es sich nur um jene Bitcoins, denen CipherTrace direkt einen kriminellen oder zumindest höchst verdächtigen Hintergrund zuordnen konnte. Die Dunkelziffer an problematischen Transaktionen dürfte 50 Prozent höher liegen, schätzen die Analysten.

Es zeige sich, "dass kriminelle Transaktionen bei starker AML-Regulierung reduziert werden. (…) Da Kriminelle die Mittel zur Finanzierung illegaler Aktivitäten verwenden – etwa internationale Drogenbanden, die die gewaschenen Mittel verwenden, um mehr illegale Substanzen zu produzieren und zu verteilen – sind die Vorteile von verstärkten AML-Regimen für die Gesellschaft offensichtlich", heißt es in dem Report. Ein großer Fortschritt ist dahingehend die fünfte Geldwäscherichtlinie der EU, die bis 2020 national umgesetzt sein muss, und die auch virtuelle Währungen einschließt. (eml)