Die Präsidentin der Federal Reserve Bank of Boston, Susan Collins, sagte, die Zinsen würden wahrscheinlich "für einige Zeit" unverändert bleiben, da jüngste Wirtschaftsdaten eine Verbesserung am Arbeitsmarkt zeigten, während die Risiken für die Inflation bestehen blieben.

Der Arbeitsmarkt zeige "zumindest einige weitere Anzeichen einer ungewöhnlichen Art von Stabilität", sagte Collins am Dienstag (24.2.) bei einer Podiumsdiskussion, die von der Boston Fed veranstaltet wurde. Sie verwies zudem auf die Notwendigkeit weiterer Belege dafür, dass sich die Inflation in Richtung zwei Prozent bewege.

"Ziemlich nahe am neutralen Bereich"
"Ich denke, es ist durchaus wahrscheinlich, dass es angemessen sein wird, die aktuelle Spanne für einige Zeit beizubehalten", sagte sie. "Nach 175 Basispunkten an Lockerung in den vergangenen anderthalb Jahren befinden wir uns auf einem leicht restriktiven Niveau, vielleicht bereits ziemlich nahe am neutralen Bereich", so Collins mit Blick auf jenes Zinsniveau, das die Wirtschaft weder stimuliert noch bremst.

Angesichts von Anzeichen einer Abschwächung am Arbeitsmarkt hatten die Fed-Vertreter die Zinsen Ende 2024 um einen Prozentpunkt gesenkt und in den Schlussmonaten von 2025 um weitere 0,75 Prozentpunkte.

Arbeitsmarktüberraschung stützt Pause
Im vergangenen Monat hielten die Währungshüter die Zinsen unverändert. Ein überraschender Rückgang der Arbeitslosenquote im Januar könnte es den Verantwortlichen ermöglichen, im März ebenso zu verfahren.

Eine Reihe von Fed-Vertretern, darunter auch einige, die zuvor Zinssenkungen befürwortet hatten, erklärten zuletzt, die Risiken für den Arbeitsmarkt hätten abgenommen. Andere äußerten Bedenken hinsichtlich anhaltender Preisdynamik, da die Inflation weiterhin über dem Zielwert von zwei Prozent liege.

Der Präsident der Richmond Fed, Tom Barkin, der ebenfalls an der Diskussion teilnahm, sagte, er sehe weiterhin Risiken auf beiden Seiten des Mandats der Notenbank. "Niemand will, dass die Inflation stagniert, niemand will, dass sich der Arbeitsmarkt weiter abschwächt", sagte er. "Wir sind gut positioniert."

Zoll-Urteil sorgt für zusätzliche Unsicherheit
In weiteren Bemerkungen äußerte sich Collins als jüngste Fed-Vertreterin zu der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, viele der weitreichenden globalen Zölle von US-Präsident Donald Trump aufzuheben, und fügte sich damit in eine Reihe unterschiedlicher Stellungnahmen zu diesem Thema ein.

Wie viele ihrer Kollegen sagte Collins, das Urteil erhöhe die Unsicherheit im wirtschaftlichen Ausblick. Zugleich könne es das Risiko verstärken, dass die Inflation hartnäckig bleibe. "Wenn man an jene Unternehmen denkt, die Zollerhöhungen hatten und diese in Form höherer Preise an die Verbraucher weitergegeben haben, fällt es mir schwer zu erkennen, dass sie das wieder zurücknehmen werden", sagte sie.

Zuvor hatte sich am Dienstag (24.2.) der Präsident der Chicago Fed, Austan Goolsbee, dahingehend geäußert, dass die Entscheidung die Unsicherheit erhöhe, zugleich aber auf der Inflationsseite für gewisse Entlastung sorgen könnte.

Andere, wie Fed-Gouverneur Christopher Waller, erklärten hingegen, sie erwarteten nicht, dass das Urteil den geldpolitischen Ausblick wesentlich beeinflussen werde. (mb/Bloomberg)