Die Konjunkturaussichten in den Vereinigten Staaten haben sich massiv verbessert, vor allem dank der deutlichen Impffortschritte. Die US-Notenbank Fed hob auf ihrer Sitzung am gestrigen Mittwoch (17. März) ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr deutlich an: von 4,2 auf beachtliche 6,5 Prozent. Konsequenzen für das Zinsniveau zogen die Notenbanker daraus allerdings nicht. Das Gremium rund um Jerome Powell beließ den Leitzins in der bisherigen Spanne von null bis 0,25 Prozent – zur Überraschung vieler Investoren. Dass Fed-Chef Powell die Zinswende trotz rosiger Konjunkturaussichten nicht vorziehe, sei "de facto eine weitere Lockerung der Geldpolitik", zitiert das "Handelsblatt" Mona Mahajan, Investmentstrategin bei Allianz Global Investors.

Auch an ihren Wertpapierkäufen in Höhe von 120 Milliarden US-Dollar pro Monat will die Fed vorerst festhalten – bis "substanzielle weitere Fortschritte" in Bezug auf Vollbeschäftigung und Preisstabilität zu verzeichnen seien. Die Arbeitslosenquote in den USA dürfte im Jahresschnitt auf 4,5 Prozent sinken und damit einen halben Prozentpunkt stärker zurückgehen, als die Fed im Dezember erwartet hatte. Im Februar dieses Jahres waren wegen der Coronakrise noch 6,2 Prozent der Amerikaner ohne Job. Powell hat laut "Handelsblatt" allerdings deutlich gemacht, dass er sich bei weiteren geldpolitischen Schritten nicht auf Projektionen verlassen will, sondern abwartet, bis sich die Zahlen tatsächlich verbessert haben.

Höhere Inflation ist kein Problem 
Die Notenbank will mit ihrer weiterhin lockeren Geldpolitik ein "Taper Tantrum" wie im Jahr 2013 vermeiden. Anleger hatten damals auf die Aussicht steigender Zinsen panisch reagiert. Powell stellte deshalb klar, dass Investoren so bald keine höheren Zinssätze sehen werden. Bis die Wirtschaft die Pandemie komplett hinter sich gebracht habe, werde es noch eine Weile dauern, erklärte er. Die Notenbanker gehen davon aus, dass die Leitzinsen noch bis mindestens 2023 nahe null bleiben werden. Daran sollen auch höhere Inflationsraten nichts ändern. Für das laufende Jahr erwarten die Währungshüter eine Teuerungsrate von 2,4 Prozent und damit spürbar mehr als die angestrebten zwei Prozent. Ein kurzzeitiges Überschießen der Inflation will die Fed aber ausdrücklich tolerieren. (fp)