Fed-Protokoll dämpft Hoffnungen auf Januar-Senkung
Das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung zeigt tiefe Meinungsunterschiede über Tempo und Umfang weiterer Zinssenkungen. Zwar halten viele Währungshüter Lockerungen für angemessen, doch Zeitpunkt und Risiken bleiben umstritten.
Die meisten Währungshüter der US-Notenbank Federal Reserve hielten weitere Zinssenkungen für angemessen, sofern die Inflation im Zeitverlauf weiter zurückgeht. Über den Zeitpunkt und das Ausmaß möglicher Schritte herrschte jedoch Uneinigkeit. Das geht aus dem Protokoll der Dezember-Sitzung hervor.
Das am Dienstag (30.12.) in Washington veröffentlichte Protokoll der Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) vom 9. und 10. Dezember verdeutlicht die Schwierigkeiten, mit denen die Entscheidungsträger bei ihrem jüngsten Beschluss konfrontiert waren. Die Erwartung, dass die Fed die Zinsen bei ihrer nächsten Sitzung im Januar unverändert lässt, hat sich dadurch leicht verstärkt.
Entscheidung offenbar knapp
"Einige derer, die eine Senkung des Leitzinses bei dieser Sitzung unterstützten, gaben an, dass die Entscheidung sehr knapp ausgefallen sei oder dass sie auch eine Beibehaltung der Zielspanne hätten unterstützen können", hieß es in dem Protokoll. Nach Veröffentlichung der Niederschrift sank die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Januar auf Basis von Federal-Funds-Futures-Kontrakten leicht auf etwa 15 Prozent.
Das Votum für eine Zinssenkung in einem stark gespaltenen Gremium zeige den anhaltenden Einfluss von Fed-Chef Jerome Powell, sagte Stephen Stanley, Chefökonom für die USA bei Santander US Capital Markets. "Der Ausschuss hätte sich leicht in beide Richtungen entscheiden können, und die Tatsache, dass das FOMC gelockert hat, ist ein klarer Beweis dafür, dass der Vorsitzende Powell auf eine Senkung gedrängt hat", erklärte Stanley in einer Mitteilung an Kunden.
Abstimmungsergebnis mit drei Gegenstimmen
Anfang Dezember hatten die Notenbanker mit neun zu drei Stimmen beschlossen, den Leitzins zum dritten Mal in Folge um einen Viertelprozentpunkt auf eine Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent zu senken.
Gouverneur Stephen Miran stimmte gegen die Maßnahme und sprach sich stattdessen für eine Senkung um einen halben Prozentpunkt aus. Austan Goolsbee, Präsident der Chicago Fed, sowie Jeff Schmid von der Fed von Kansas City plädierten hingegen für eine Beibehaltung der Zinssätze.
Tiefe Spaltung
Die Zinsprojektionen deuteten auf eine noch stärkere Spaltung innerhalb der Gruppe der insgesamt 19 Entscheidungsträger hin. Sechs Währungshüter signalisierten ihre Ablehnung weiterer Zinssenkungen, indem sie empfahlen, den Leitzins Ende 2025 bei 3,75 bis 4,00 Prozent zu belassen – dem Niveau vor der Dezember-Sitzung.
Im Einklang mit diesen Projektionen vermerkte das Protokoll, dass einige Offizielle glaubten, "es wäre wahrscheinlich angemessen, die Zielspanne nach einer Senkung bei dieser Sitzung für einige Zeit unverändert zu lassen". Während die nach der Sitzung veröffentlichte mittlere Zinsprojektion der Notenbanker für 2026 lediglich eine Senkung um einen Viertelpunkt nahelegte, gingen die individuellen Einschätzungen weit auseinander. Der Markt rechnet dagegen mit mindestens zwei Zinssenkungen in diesem Jahr.
Inflation oder Arbeitsmarkt als größeres Risiko?
Das Protokoll machte zudem erhebliche Meinungsverschiedenheiten darüber deutlich, ob Inflation oder Arbeitslosigkeit derzeit die größere Gefahr für die US-Wirtschaft darstellen. "Die meisten Teilnehmer merkten an, dass ein Schritt hin zu einer neutraleren geldpolitischen Ausrichtung dazu beitragen würde, die Möglichkeit einer erheblichen Verschlechterung der Arbeitsmarktbedingungen abzuwenden", heißt es darin.
Gleichzeitig verwiesen "mehrere Teilnehmer auf das Risiko, dass sich eine höhere Inflation verfestigt, und äußerten die Ansicht, dass eine weitere Senkung des Leitzinses im Kontext erhöhter Inflationswerte missverstanden werden könnte als ein Hinweis auf ein verringertes Engagement der Entscheidungsträger für das Zwei-Prozent-Inflationsziel".
Jüngste Konjunkturdaten liefern kein klares Bild
In Gesprächen mit Journalisten nach der Sitzung hatte Powell angedeutet, die Fed habe die Zinsen ausreichend gesenkt, um eine stärkere Verschlechterung des Arbeitsmarkts zu verhindern, sie jedoch zugleich hoch genug belassen, um die Inflation weiter zu dämpfen.
Seit der Sitzung haben neue Konjunkturdaten wenig dazu beigetragen, die Spaltungen innerhalb der Fed aufzulösen. Im November stieg die Arbeitslosenquote auf 4,6 Prozent, den höchsten Stand seit 2021, während die Verbraucherpreise weniger stark als erwartet zulegten – Argumente für die Befürworter niedrigerer Zinsen.
Gleichzeitig wuchs die US-Wirtschaft im dritten Quartal mit einer annualisierten Rate von 4,3 Prozent, dem schnellsten Tempo seit zwei Jahren. Das dürfte die Inflationssorgen jener Notenbanker verstärkt haben, die sich im Dezember gegen eine Zinssenkung ausgesprochen hatten. (mb/Bloomberg)














