Die US-Notenbank hat den Kampf gegen die hohen Inflationsraten aufgenommen und im Juni den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf die Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent angehoben. Das war der größte Zinsschritt seit 1994. Wie viele weitere Erhöhungen werden die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell nun aber folgen lassen? Um das abschätzen zu können, schauen viele Investoren auf die Fed Fund Futures.

Taugt der Terminmarkt aber tatsächlich als Gradmesser für künftige Zinsschritte? Um das zu überprüfen, hat Sven Lehmann, Kapitalmarktanalyst von HQ Trust, für den Zeitraum von 1989 bis heute den sogenannten Schätzfehler untersucht – die jeweilige Differenz zwischen dem Leitzins und der Prognose via Fed Fund Futures sechs Monate zuvor.

Guter Indikator
"In vielen Fällen sagen die Fed Fund Futures die Entwicklung der Leitzinsen gut voraus, allerdings sind die Schätzungen tendenziell zu niedrig und die Abweichungen können im Einzelfall enorm groß sein", stellt Lehmann fest. So senkte die US-Notenbank 2001 den Leitzins binnen eines halben Jahres um 2,75 Prozentpunkte. "Der Mittelwert der Schätzungen lag aber gerade einmal bei 0,8 Punkten", so der Analyst des Family Office. Er nennt ein weiteres Beispiel: "Ähnlich sah es im Jahr 1994 auf der Positivseite aus, als die Notenbank die Zinsen um 1,5 Punkte anhob. Der Markt ging aber nur von einem Plus von 0,6 Punkten aus."

Relativ gut seien die Fed Fund Futures im Mittel bei der Einschätzung, dass sich die Zinsen nicht verändern, sagt Lehmann. Allerdings habe es auch hier viele Schätzungen gegeben, die dann weit an der Realität vorbeigingen. "Wendepunkte der Leitzinsen vorherzusagen, fällt über die Fed Fund Futures schwer. Insbesondere bei Zinssenkungen lagen sie in der Vergangenheit häufig daneben", so der Analyst.

Aktuelle Erwartungen
Derzeit erwarten laut Fed-Watch-Tool der CME Group, das auf den Fed Fund Futures basiert, mehr als 80 Prozent der Marktteilnehmer einen Zinsschritt von 0,75 Prozentpunkten bei der kommenden Fed-Sitzung am 27. Juli. Demnach dürfte es auf den folgenden Sitzungen im September, November und Dezember weitere Zinserhöhungen geben, sodass derzeit die Mehrheit der Marktteilnehmer den US-Leitzins am Jahresende bei 3,25 bis 3,5 Prozent sieht. (ohm)