Wer wird in den kommenden Wochen die Oberhand gewinnen – die pessimistischen Bären oder die zuversichtlichen Bullen? Selten war die Lage an den Finanzmärkten so schwer einzuschätzen, wie in diesen Tagen, sagt Eduard Baitinger, Anlageprofi bei Feri. Schwache Fundamentaldaten nähren die Sorge vor einer nahenden Rezession. Zugleich häufen sich aber auch positive Signale: In Italien regiert eine gemäßigtere Koalition und in Großbritannien scheint das Risiko eines ungeregelten Brexit stündlich abzunehmen.

Auch vonseiten der Geldpolitik kommt neue Unterstützung: Die Europäische Zentralbank hat erwartungsgemäß eine neue Runde monetärer Lockerung eingeleitet und damit das Nullzins-Regime in Europa für längere Zeit verankert. Den größten Eindruck auf die Finanzmärkte hat aber die Wende im Handelskrieg zwischen den USA und China gemacht, wo sich die Anzeichen für eine Deeskalation verdichten. "Zusammengenommen haben diese Entwicklungen Risikoanlagen zuletzt deutlich Auftrieb verliehen", sagt Baitinger.

Entwicklung kommt Zyklikern entgegen
Die aktuellen Entwicklungen haben auch das relative Gefüge zwischen defensiven und zyklischen Segmenten im Aktienmarkt deutlich verändert. "In einer Welt fragiler Fundamentaldaten und tiefer Zinsen sind defensive Sektoren und Regionen gefragt, während zyklische Aktien gemieden werden", erklärt Baitinger. Eine Entschärfung des Handelskonflikts sowie eine mögliche Stabilisierung der Fundamentaldaten dürfte den Zyklikern dagegen entgegenkommen.

Die Folgen wären – wie zuletzt bereits in Ansätzen zu beobachten – sehr dynamische Umkehrbewegungen in verschiedenen Marktsegmenten. "Sollte sich dieses freundlichere Bild in nächster Zeit tatsächlich verdichten, gilt es für Investoren die zyklischen Sektoren stärker zu gewichten", rät der Anlageprofi. (fp)