Der Ausblick für Volkswirtschaften rund um den Globus hat sich deutlich verschlechtert. Vor allem China sorgt mit durchwachsenen Konjunkturdaten für Sorgenfalten bei Investoren. Angesichts der Nachrichtenlage ist es allerdings erstaunlich, dass die globalen Börsen bislang nicht stärker abverkauft wurden, sagt Eduard Baitinger, Asset-Allocation-Chef der Feri-Gruppe. Die Erklärung dafür findet er in der Geldpolitik: Selbst schlechte Nachrichten werden von Anlegern mittlerweile positiv interpretiert – denn sie sorgen seit Jahren zuverlässig für eine weitere Liquiditätsflut der Notenbanken. Unter Investoren gilt deshalb: "Bad news are good news."

Mittelfristig wird es so nicht weitergehen, mahnt Baitinger. Er weist darauf hin, dass die Europäische Zentralbank (EZB) angekündigt hat, den Umfang ihrer Anleihekäufe zum Jahresende leicht zu reduzieren. Die US-Notenbank Fed dürfte bald darauf folgen. "Wird die Liquidität dann wieder knapper, wird der Markt mit Entzugserscheinungen reagieren", prophezeit der Feri-Experte. Schlechte Nachrichten könnten in einem solchen Umfeld als genau das aufgefasst werden, was sie sind: schlechte Nachrichten.

Warum Chinas Schwäche gut für Europas Aktienmarkt ist
Für europäische Aktien sieht Baitinger mehrere belastende Faktoren – und einen unterstützenden Faktor. Als problematisch betrachtet er unter anderem die anstehende Wahl in Deutschland, die mit einer womöglich folgenden zähen Koalitionsbildung für Unsicherheit sorgen könnte. Als positiv wertet er dagegen ausgerechnet die schwache Wirtschaftsentwicklung in China. Die könnte nämlich die chinesische Notenbank auf den Plan rufen, und wenn es in China wieder rund läuft, profitieren davon auch europäische Unternehmen. Manchmal sind schlechte Nachrichten dann doch wieder gute Nachrichten. (fp)