Die Coronakrise verschärft die Ungleichheit in der Gesellschaft und beschleunigt damit den Prozess gesellschaftlicher Spaltung, befürchtet Heinz-Werner Rapp, Leiter des Feri Cognitive Finance Institute. Dabei ist die Viruswelle nicht so sehr der Anlass für die Spaltung, sondern wirkt vielmehr wie ein Treiber. "Die Ursachen liegen in politischen und ökonomischen Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre", urteilt Rapp. Asymmetrische Effekte der Globalisierung, diverse Finanzkrisen sowie die Nullzinspolitik der vergangenen Jahre haben dazu geführt, dass in vielen Ländern die Einkommen und Vermögen ungleich verteilt sind, was gefährliche soziale Schieflagen erzeugt hat.

Die grassierende Pandemie nimmt nun die Rolle eines Brandbeschleunigers ein, analysiert der Feri-Experte. "Damit verbundene ökonomische Härten, vor allem deren ungleiche Verteilung, gehen regelmäßig zu Lasten der Mitte der Gesellschaft", sagt er. Daraus resultieren bei vielen Menschen Überforderung und Frustration, die rasch in Wut, Polarisierung und Populismus umschlagen können. In der Folge vertieft sich die Kluft zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen.

Soziale Schlagseite bedroht auch Investoren
Wohin ökonomische und soziale Ungleichheit führen kann, zeigt sich besonders deutlich in den USA. Die Vereinigten Staaten präsentieren sich dieser Tage als tief gespaltene Nation. Durch Covid-19 hat sich die Situation noch einmal massiv verschärft, sagt Rapp. Nur, indem sie gezielt für einen sozialen Ausgleich sorgen, können Politiker der Spaltung entgegenwirken, ist er überzeugt. Gelingt ihnen dies nicht, dürften die Volksparteien weiter an Zustimmung verlieren, der rechte Rand sowie populistische Strömungen weiter erstarken.

Wachsende gesellschaftliche Ungleichheit mit all ihren Folgen birgt auch Risiken für Investoren. "In einem solchen Umfeld sinkt die Qualität politischer Entscheidungen", sagt Rapp. "Folglich wird das Szenario auch für Investoren schwieriger, da die Unsicherheit zunimmt und die Verlässlichkeit für langfristige Anlagestrategien fehlt." (fp)