Die Coronakrise hat die Wirtschaftswelt unvermittelt und mit voller Wucht getroffen. Kein Unternehmen konnte sich ausreichend darauf vorbereiten, nie zuvor gab es einen derart heftigen exogenen Schock für die Wirtschaft. "Deshalb muss der Staat eingreifen, um das Marktversagen aufzufangen und zu verhindern, dass betroffene Unternehmen und Branchen unverschuldet in eine Pleite rutschen", fordert Alexander Leisten, Deutschland-Chef von Fidelity International, im Gespräch mit dem "Handelsblatt".

Eine Staatsbeteiligung an der Lufthansa, wie sie derzeit heiß diskutiert wird, hält Leisten für eine praktikable Idee. "Es handelt sich um ein gut geführtes Unternehmen mit einem guten Management. Eine Vorsorge für die Coronakrise war nicht möglich", sagt er. Zugleich gehört die Fluglinie zu den Pfeilern der deutschen Volkswirtschaft. Sowohl die Lufthansa als Konzern als auch ihre Beschäftigten sollten deshalb Hilfe vom Staat bekommen, meint Leisten.

Kein Einstieg ohne Ausstiegsplan
Beinahe wichtiger als ein Hilfsprogramm ist dem Fidelity-Oberen zufolge allerdings ein Konzept, wie Unternehmen nach überstandener Krise wieder aus staatlicher Obhut entlassen werden können. Öffentliche Hilfen sind keine Dauerlösung, mahnt er. "Auf Dauer muss sich der Staat wieder zurückziehen. Sonst finden wir uns in einer Planwirtschaft wieder", sagt er im "Handelsblatt"-Interview.

Schon heute müsse ein Konzept entstehen, wie sich der Staat systematisch wieder aus Unternehmen herausziehen kann, so Leisten. "Es muss um einen schrittweisen Abbau der staatlichen Unterstützung gehen." Er hält bei der Lufthansa einen Zeithorizont von drei bis fünf Jahren für realistisch. "Das ist wichtig, um den Konzern für private Investoren attraktiv zu halten", erklärt er. (fp)