George Efstathopoulos, Multi-Asset-Experte bei Fidelity International, weist in einer Einschätzung darauf hin, dass die Aktienvolatilität derzeit nahe an den 2006/2007 erreichten Allzeittiefs ist, dass mögliche höhere Aktienschwankungen nicht per se schlecht sind und dass vor diesem Hintergrund fundamentale Faktoren wieder wichtiger werden. 

Weltweit beherrschen beispiellose politische und wirtschaftliche Unsicherheiten die Schlagzeilen. Zugleich gehen die Kennzahlen zur Aktienvolatilität zurück. Dieser Widerspruch erklärt Efstathopoulos so: Teil des Problems sei, dass die aktuellen Kennzahlen zur Marktvolatilität als Risikobarometer zu wünschen übrig lassen. Erschwerend komme hinzu, dass schwankungsarme Phasen Anleger zu selbstzufrieden machen und dem Hang zur Konsenspositionierung Vorschub leisten. "Die Folge ist ein sich selbst verstärkender Trend an den Märkten mit noch weniger Volatilität, mit dem jedoch zugleich die Gefahr eines plötzlichen Stimmungsumschwungs steigt", sagt Efstathopoulos.

An den Märkten dreht der Wind
Aber langsam drehe sich an den Märkten der Wind. Die US-Notenbank habe den Politikwechsel bereits vollzogen und erhöhe die Zinsen. "Auch die Europäische Zentralbank und die Bank von Japan haben ihre Taktik geändert, nachdem ihre geldpolitischen Maßnahmen mit Negativzinsen und immer neuen quantitativen Lockerungen zunehmend wirkungslos verpufften", so Efstathopoulos. Den Pfad der quantitativen Lockerung hätten sie zwar noch nicht ganz verlassen. Anleger könnten aber nicht länger darauf setzen, dass die Zentralbanken automatisch den Geldhahn weiter aufdrehen und Wirtschaft und Märkte stützen, wenn sich die Lage verschlechtert.

Höhere Aktienschwankungen nicht per se schlecht
Allerdings sei die Wirkung haushaltspolitischer Maßnahmen eine andere. "So fällt als Erstes die starke Rotation an den Aktienmärkten seit Anfang November auf: Defensive anleihenähnliche Aktien sind in der Gunst der Anleger zurückgefallen, die vermehrt in traditionell zyklische Aktien mit höherer Volatilität umschichten", hat Efstathopoulos beobachtet. Seitdem sei die Volatilität von Portfolios mit niedrigem Risikofaktor höher als von solchen, die auf die Faktoren Qualität, Wachstum und Substanz setzen. Auch auf Einzeltitelebene habe die Volatilität zugenommen und sei bei anderen Anlageklassen wie Staatsanleihen aus Kernländern und an den Devisenmärkten ebenfalls auf dem Vormarsch.

Stärkerer Einfluss fundamentaler Faktoren auf Renditen erwartet
Anleger sollten daher mit tendenziell höheren Schwankungen bei Aktien und möglicherweise stärkeren Kursausschlägen im Vorfeld und nach wichtigen bevorstehenden Ereignissen rechnen. "Das muss aber nicht unbedingt schlecht sein", gibt Efstathopoulos zu Bedenken. Da die verzerrende Wirkung der quantitativen Lockerungen nachlassen dürfte, werden fundamentale Faktoren die Renditen künftig wohl wieder stärker beeinflussen, ist er sich sicher. Mit höherer Volatilität und niedrigeren Korrelationen steigen zu guter Letzt auch die Alpha-Chancen für aktive Manager, die talentiert und flexibel genug sind, um sie zu ihrem Vorteil zu nutzen. (aa)