Der Blick auf die jüngsten Entwicklungen an den Kapitalmärkten zeigt: Aktien sind seit März gestiegen, manche gar auf haarsträubende Niveaus. Die Anleiherenditen sind aber gefallen, beim aktuellen Zinsniveau lassen sich quasi durch die Bank hinweg kaum mehr Renditen erwirtschaften. "Entsprechend sind die Korrelationen zwischen den Vermögenswerten nach oben geschnellt", sagt George Efstathopoulos, Portfoliomanager bei Fidelity International. Dies geht auf Kosten der Diversifizierung und kann damit Multi-Asset-Portfolios bei einem erneuten Ausverkauf schlimmstenfalls sogar ins Wanken bringen, fürchtet der Experte.

Die Entwicklung ist zum Teil Folge der Lockerungsmaßnahmen der Zentralbanken, die durch die Ausverkäufe zu Jahresbeginn aufgeschreckt wurden. Die zentrale Frage für Anleger lautet: Handelt es sich um eine vorübergehende oder um eine strukturelle, dauerhafte Verschiebung? "Klar ist, dass es wegen der anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheit eine erneute Flucht aus den Kapitalmärkten geben könnte. Anleger sind also gut beraten, mögliche Szenarien durchzuspielen und Absicherungsmaßnahmen zu ergreifen", sagt Efstathopoulos.

Vorsicht ist besser als Nachsicht
Beim sogenannten Japan-Szenario mit anhaltend niedrigen oder sogar negativen Renditen in den USA und Europa sollten Staatsanleihen in den Portfolios eine defensive Rolle spielen, da anhaltend steigende Anleiherenditen eher unwahrscheinlich sind. "Wer auf steigende Renditen setzt, kann sich also die Finger verbrennen", sagt der Experte. Eine Stagflation könnte die Zentralbanken dagegen zu schnellen Zinserhöhungen zwingen und die Renditen von Staatsanleihen unter Druck setzen. 

Rekordverschuldung und Fiskalanreize könnten aber auch in diesem Fall dafür sorgen, dass die Zentralbanken die Zinsen niedrig halten. Das hätte zwar nur begrenzte negative Auswirkungen auf die nominale Wertentwicklung. Anleger wären real aber schlechter dran, da Zinsen und Renditen nicht steigen, zugleich aber der Wert der Vermögenswerte abnimmt. "In diesem Szenario sollten inflationsgebundene Anleihen einen gewissen Schutz bieten", sagt Efstathopoulos. (fp)