Nachdem die Bauzinsen im vergangenen Jahr nahezu stetig gesunken sind, klettern sie seit Anfang 2021 wieder nach oben. Die sogenannte Standardrate betrug im Juni 403 Euro – so viel wie seit zwei Jahren nicht mehr, sagt Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG. "Sie gibt an, wie viel ein durchschnittliches Darlehen von 150.000 Euro mit zwei Prozent Tilgung, 80 Prozent Beleihungsauslauf und zehn Jahren Zinsbindung an monatlicher Rate kostet", erklärt er. Dennoch ist Baugeld nach wie vor historisch günstig. Vor zehn Jahren betrug die Standardrate noch beachtliche 783 Euro.

Trotz der steigenden Kreditkosten leihen sich angehende Eigenheimbesitzer immer mehr Geld von der Bank. Im Juni nahmen Häuslebauer durchschnittlich 304.000 Euro auf. "Das sind rund 19.000 Euro mehr als noch vor einem Jahr", sagt Neumann. Zugleich ist allerdings der fremdfinanzierte Anteil der Immobilien leicht gesunken – von 84,24 Prozent im Juni 2020 auf 83,39 Prozent im Juni 2021. Darlehensnehmer bringen also zugleich mehr Eigenkapital mit. Das spricht dafür, dass mehr Kreditnehmer ihre Finanzierung solide aufbauen – und illustriert zudem den noch immer ungebremsten Anstieg der Immobilienpreise.

Weiterer Aufwärtstrend befürchtet
Viele Bauherren rechnen anscheinend mit weiter steigenden Zinsen. Zwar ist die durchschnittliche Zinsbindungsdauer seit Anfang des Jahres leicht rückläufig. Mit aktuell 13,16 Jahren liegt sie zirka sechs Monate unter dem Vorjahresdurchschnitt. Zugleich stieg allerdings die Nachfrage nach Forward-Darlehen zum Ende des zweiten Quartals um 0,61 Prozentpunkte auf 6,52 Prozent leicht an. "Darlehensnehmer, deren Anschlussfinanzierung erst in der Zukunft ansteht, können sich so die günstigen Zinsen bereits bis zu fünf Jahre im Voraus sichern", erklärt der Finanzierungsexperte. (fp)