Der Bund der Versicherten hat vor Kurzem eine Analyse der Solvenzquoten der deutschen Lebensversicherer veröffentlicht. Das Ergebnis dürfte die Kunden schockieren: Rund ein Viertel aller Gesellschaften, darunter auch bekannte Unternehmen der Branche, arbeiten infolge sinkender Provisionen wegen der abnehmenden Zahl von Neuabschlüssen bereits ohne Gewinne und müssen obendrein verstärkt an ihre Substanz gehen, um die gemachten Ausschüttungszusagen aus ehedem üppigen Garatiezinsen zwischen zwei und drei Prozent einzuhalten. Die Probleme sind dabei nicht allein das Resultat von Managementfehlern, sondern vor allem die Folge der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), sagt Uwe Eilers, Vorstand der FV Frankfurter Vermögen AG in Königstein.

Denn das Deckungsstockvermögen der Versicherer ist überwiegend in bonitätsstarken Euro-Anleihen angelegt. Jede Anleihe, die zurückgezahlt wird, verschlimmert paradoxerweise die Lage der Versicherer. Schließlich muss das Kapital wieder angelegt werden – und mittlerweile rentieren viele Bonds selbst mit langen Laufzeiten im negativen Bereich. Konsequenz: Viele Gesellschaften dürften daher in den kommenden fünf Jahren an den Rand der Insolvenz geraten. "Sofern die Zinsen über die kommenden zehn Jahre durch die EZB so niedrig gehalten werden, könnte die gesamte Lebensversicherungsbranche ins Trudeln kommen", warnt Eilers.

Alternativen sind vorhanden
Lebensversicherungskunden dürften in diesem Fall allenfalls noch ihre eingezahlten Sparraten zurückerhalten. Ob allerdings wenigstens noch ein Teil der garantierten Verzinsung gezahlt werden kann, steht dem Vermögensprofi zufolge in den Sternen. Jeder Kunde sollte darum – getreu dem Motto "Den letzten beißen die Hunde" – schon heute nach Anlagealternativen zur klassischen Lebensversicherung schauen. Diese gebe es durchaus, sagt Eilers, und "sie bieten in der aktuellen Situation entscheidende Vorteile". (fp)