Das Börsengeschehen nach dem Corona-Crash war für viele Marktbeobachter irritierend. Das Geld von Zentralbanken und Regierungen ließ die Kurse in kürzester Zeit wieder in die Höhe schnellen. Die durch die Rally vermeintlich ambitionierten Bewertungen sind allerdings vor allem eine Folge veränderter Rahmenbedingungen, meint Beat Thoma, Investment-Chef bei Fisch Asset Management. "Absolut betrachtet sind die Bewertungen der Aktien- und Unternehmensanleihenmärkte zwar teilweise hoch. Das niedrige Zinsniveau und die üppigen Dividendenrenditen im Vergleich zu den Geldmarktzinsen relativieren das Bild", sagt er.

Gerade aufgrund der expansiven Fiskalpolitik sowie der optimistischen Konjunkturprognosen sehen Anlageexperten an den Aktienmärkten noch Luft nach oben. Einiges davon haben Investoren in den vergangenen Wochen zwar vorweggenommen, dennoch zeichnen Indikatoren wie der Rückgang der Arbeitslosigkeit in den USA sowie stabile Konjunkturdaten in China ein zumindest kurzfristig positives Bild. "Zudem scheint die wirtschaftliche Entwicklung eine gesunde Sektor-Rotation anzuregen, die für eine realistischere Bewertung der Aktienkurse sorgt", sagt Thoma. Anleger investieren wieder verstärkt in bisherige Covid-19-Verlierer wie die Energiebranche, weshalb die Kurse entsprechender Unternehmen steigen dürften.  

Fallender US-Dollar: Risiko oder Chance?
Bei ihren Investitionsentscheidungen sollten Anleger den US-Dollar stärker im Blick behalten, rät Anlageexperte Thoma. "Perspektivisch wäre ein weiter fallender US-Dollar ein Risiko für die Finanzmärkte." Die Dollarschwäche könnte die Inflationserwartungen sowie die langfristigen Zinsen in den USA nach oben treiben und damit den Handlungsspielraum der Notenbanken einschränken – mit entsprechenden Folgen für die Aktienmärkte. Auf der anderen Seite führt ein schwächerer Greenback kurzfristig sogar zu einer erfolgreichen und gewünschten 'Reflationierung' des Systems und damit zu mehr Wirtschaftswachstum. "Dieses zweischneidige Schwert sollten Anleger daher im Auge behalten und regelmäßig neu bewerten", sagt Thoma. (fp)