Konstante Gewinnsteigerungen über Jahrzehnte machen US-Aktien im Vergleich zu ihren europäischen Pendants deutlich attraktiver. Und das deutlich bessere Abschneiden dürfte sich auch im Jahr 2022 fortsetzen. Das ist das Ergebnis einer neuen vergleichenden Analyse des Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch. Thomas Lehr schreibt von einem "Klassenunterschied" und bezeichnet eine Anlagestrategie, die auf eine bessere Wertentwicklung europäischer Aktien setzt, als Sportwette, bei der man auf den Außenseiter setzt. 

In drei der letzten vier kurzen Phasen, in denen sich europäische Aktien zumindest mal für ein paar Wochen besser entwickelten als US-Aktien, konnten Anleger nicht einmal zehn Prozent verdienen. Selbst wenn sich im kommenden Jahr wieder solche kurzen Phasen ereignen könnten, hält Lehr es für ausgesprochen riskant, darauf zu setzen und zu versuchen, das richtige Timing zu finden: "Wer würde schon 100 Euro bei einem Duell des Erstliga-Meisters gegen einen Zweitligisten auf den Zweitligisten setzen, wenn ihm im Falle eines Sieges des Außenseiters lediglich fünf Euro Gewinn winken würden?"

Index und Gewinne steigen konstant
Die bessere Wertentwicklung in den USA hält der Flossbach-Stratege auch fundamental für gerechtfertigt. Denn auch das Gewinnwachstum ist in den USA seit vielen Jahren deutlich höher als in Europa – und hält mit der langfristigen Kursentwicklung mit. So hat sich der breite US-Aktienindex S&P 500 in den vergangenen 66 Jahren nahezu verhundertfacht, ganz genauso wie die Gewinne der dort gelisteten Unternehmen. Die Entwicklung verlief zudem auch noch überaus konstant, schreibt Lehr: "Diese Stärke und Prognostizierbarkeit der durchschnittlichen Unternehmensgewinne, die auch mit Gewinnqualität übersetzt werden könnte, machen US-Unternehmen für Anleger so attraktiv." Die Gewinne europäischer Aktien fielen dagegen ab: Sie wachsen weniger dynamisch – und sind zudem viel zyklischer. Das wird sich in den kommenden Monaten nicht ändern. (fp)