Die Covid-19-Pandemie kennt Gewinner und Verlierer – und die Schere zwischen beiden geht immer weiter auseinander. Während Branchen wie Tourismus und Luftfahrt nach wie vor am Boden liegen, hat sich das Wachstum einiger Unternehmen, die schon vor der Coronakrise prosperiert haben, weiter beschleunigt. Prominentestes Beispiel für diese Entwicklung ist der Technologiesektor. Viele Unternehmen aus dieser Branche profitieren von der Digitalisierung, vom Online-Shopping-Boom und vom Trend zum bargeldlosen Bezahlen, analysiert Bert Flossbach, Chef der Investmentboutique Flossbach von Storch (FvS).

Investoren ist nicht entgangen, wer sich in der Pandemie gut schlägt. "Die Aktienmärkte haben die Bewertungen der voraussichtlichen Gewinner in bislang kaum erreichte Höhen getrieben, die teilweise an die Exzesse des Technologiebooms um die Jahrtausendwende erinnern", konstatiert Flossbach. Er sieht allerdings einige gravierende Unterschiede zu der Ära des Neuen Marktes: Erstens erwirtschaften die meisten Tech-Firmen heute tatsächlich hohe Gewinne und verfügen über hohe Barbestände in ihren Bilanzen. Zweitens sind auch die Bewertungen von Unternehmen aus dem Industrie- und Konsumsektor gestiegen.

Bei Krisenprofiteuren auf Qualität achten
Das Problem: Wollen Anleger in die Profiteure der Krise investieren, müssen sie mittlerweile tief in die Tasche greifen. Zwar hat Qualität ihren Preis. "Doch auch Gutes kann zu teuer sein, wenn das Beste schon eingepreist ist", mahnt der Vermögensverwalter. Nimmt der Aktienkurs eines vielversprechenden Unternehmens eine Verdreifachung des Umsatzes in den nächsten fünf Jahren vorweg, muss das Unternehmen diese Erwartung auch erfüllen – oder Anleger müssen bereit sein, noch mehr Geld für pures Wachstumspotenzial auszugeben. "Werden die Zukunftserwartungen nicht erfüllt, drohen herbe Kursrückschläge", sagt Flossbach.

Der Anlageprofi rät Investoren, sich ein möglichst realistisches Bild vom Ertragspotenzial eines Unternehmens zu machen. "Nur wenn das in unserem Basisszenario angenommene Umsatz-, Gewinn- und Cashflow-Wachstum deutlich über den bereits im Kurs enthaltenen Erwartungen liegt, bietet die Aktie noch genügend Potenzial und eine ausreichende Sicherheitsmarge für den Fall, dass wir zu optimistisch waren", erklärt er.

Das nächste Virus könnte Computer befallen
Eine sorgfältige Titelauswahl ist umso wichtiger, als dass die Flut im Technologiesektor fast alle Boote gehoben hat. Manche Aktien haben eher den Charakter von Lottoscheinen, warnt Flossbach. Dazu zählt er etwa einige sogenannte "Special Purpose Acquisition Companies" (SPACs). Das sind Mantelgesellschaften, die über einen Börsengang Kapital einsammeln, um es später in die Übernahme attraktiver Unternehmen zu investieren. "Die rasant gestiegene Verbreitung solcher Blankoschecks, bei denen Anleger die Katze im Sack kaufen und von einem Tiger träumen, spiegelt die hohe Risikofreudigkeit vieler Anleger wider", sagt Flossbach.

Wichtig ist, jetzt nicht nur auf die Corona-Gewinner zu spekulieren, sondern den Grundsatz der Vermögensstreuung nicht zu vernachlässigen. "Diversifikation bedeutet auch, nicht alles auf ein Szenario zu setzen", betont Flossbach. Es könnte schließlich sein, dass das nächste weltweite Virus nicht Menschen befällt, sondern Computer. Dann wären selbst solide, wachstumsstarke Tech-Titel kein sicheres Investment mehr. Ein Portfolio, das ausschließlich aus hoch bewerteten Technologieaktien besteht, ist genauso einseitig ausgerichtet wie eines, das nur Unternehmen aus dem Konsumgüter-, Industrie- und Gesundheitssektor enthält, sagt der Anlageprofi. "Die Mischung macht's." (fp)