Sie soll die Finanzmärkte sicherer machen und verhindern, dass sich eine Finanzkrise wiederholt: die Finanztransaktionssteuer, also eine Abgabe auf Wertpapierkäufe. Mit aller Macht will der deutsche Finanzminister Olaf Scholz die "Börsensteuer" in Europa salonfähig machen und in Deutschland einführen. Wer sich den Entwurf genauer anschaut, dürfte allerdings so manche Überraschung erleben: "Ausgerechnet Derivate sollen von der Transaktionssteuer ausgenommen sein", schreibt Kurt von Storch, Co-Gründer und Vorstand der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch, in einem Gastbeitrag für die "Rheinische Post".

Doch eben diese zusammengebastelten, verschachtelten und für den Laien meist unverständlichen Wertpapiere waren vor elf Jahren der Haupt-Auslöser der Finanzkrise. Damit nicht genug: Auch Hochfrequenzhändler – also Käufer, die Wertpapiere nur für den Bruchteil einer Sekunde halten, um sie dann mit Gewinn zu veräußern – sollen von der Börsensteuer ausgenommen sein. "Wer den schnellen Profit sucht, also der Zocker und Glücksritter, darf weitermachen, wie bisher", kritisiert von Storch – um nicht zu sagen: Er wird sogar belohnt.

Bestraft würden dagegen Aktien-Sparer und damit langfristig denkende Investoren. Insgesamt muten die Pläne des Finanzministers so an, als würde man mit dem Vorwand, die Umwelt zu schonen und die Gesundheit der Bevölkerung verbessern zu wollen, eine Biosteuer auf nachhaltige Produkte einführen. "Verstehen Sie das? Wir tun es nicht," bringt von Storch seine Vorbehalte auf den Punkt.

Wer zahlt die Zeche?
Noch glaubten viele Anleger, dass die Finanzinstitute die Steuer bezahlen und – wer nicht direkt an der Börse investiere – somit nicht betroffen sei. Das sei allerdings ein Trugschluss, warnt der Vermögensprofi. "Die Finanzhäuser treiben die Steuer nur ein", sagt er. Zur Kasse gebeten würden am Ende aber die Aktionäre, also auch die Inhaber von Versicherungspolicen und Fonds.

Von Storchs Vorschlag: Statt den Weg zu wichtigen Vermögensbausteinen wie Aktien oder Fonds weiter zu verbauen, sollte der Finanzminister genau das Gegenteil tun, nämlich die Altersvorsorge durch Anreize für langfristiges Aktiensparen fördern – insbesondere in zinslosen Zeiten. "Warum sollten Aktienkursgewinne nach drei, fünf, acht oder zehn Jahren nicht steuerfrei sein? Für Immobilienkäufer gilt doch Ähnliches," fragt von Storch. Den Vorsorgesparern und damit der privaten Altersvorsorge insgesamt würde Olaf Scholz einen weit größeren Dienst erweisen als mit einem Verbot von Negativzinsen. (fp/ps)