Viele Deutsche scheuen Risikoanlagen und ziehen es trotz Niedrigzins vor, ihr Geld bei der Bank zu bunkern. Laut einer aktuellen Umfrage des Vermögensverwalters Flossbach von Storch hat dieses auf den ersten Blick irrationale Verhalten einen durchaus rationalen Hintergrund: Sparer meiden Aktienanlagen, weil ihnen das Vertrauen in die Finanzberatung fehlt. Unter 1.700 befragten Finanzberatern waren 94 Prozent dieser Ansicht. 

Das Vertrauen der Anleger in Finanzberater steht vor allem seit der Finanzkrise 2008 auf wackeligen Beinen. Vielen Anlegern ist zwar bewusst, dass sie durch schlecht informiertes Anlegen im Niedrigzinsumfeld Verluste erleiden. Gleichzeitig befürchten sie aber, dass professionelle Finanzberater nicht im Interesse ihrer Kunden handeln, sondern nur ihr eigenes finanzielles Wohlergehen im Blick haben. "Eine schleichende Enteignung durch Niedrigzins und Inflation mag dann vielleicht noch erträglicher erscheinen als falscher Rat durch einen eigennützigen Finanzberater", heißt es im Flossbach-Bericht.

Zu viele Regeln verschrecken Investoren
Bei der Frage nach möglichen Lösungen für dieses Problem sind sich Finanzberater weitestgehend einig: 99 Prozent der Befragten halten staatliche Regulierung für keinen guten Weg. Die Anlegeprofis warnen davor, dass gesetzliche Vorgaben schlussendlich zu einer "Beratung von der Stange" führen. Zu viel Regulierung sorge im schlimmsten Fall sogar dafür, dass Privatinvestoren sich gänzlich vom Kapitalmarkt zurückziehen, warnen die Experten von Flossbach von Storch. 

Eine bessere Lösung als strengere staatliche Regeln sind nach Ansicht der Befragten fachliche Mindeststandards. Diese erlegen sich Finanzberater selbst auf – analog zum hippokratischen Eid der Ärzte. Dies könne Kunden überzeugen, dass Finanzberater tatsächlich in ihrem Interesse handeln, so das Fazit. "Die Umfrage zeigt, dass die Finanzberater für solche Themen offen sind. Fachliche Mindeststandards und eine ethische Verpflichtung sind aus ihrer Sicht für die Vertrauensbildung gleichermaßen wichtig. Die Bereitschaft zur Selbstorganisation ist da." (fp)