Seit dem Corona-Crash vor rund einem Jahr wagen sich immer mehr Menschen in den Aktienmarkt. Für jeden, der dort auf Einzeltitel setzt, hat Philipp Vorndran allerdings einen klaren Rat: "Er sollte es lassen", sagt der Investmentstratege der Boutique Flossbach von Storch (FvS). "Kein Privatanleger hat die Zeit, um ein breit diversifiziertes Aktienportfolio zu analysieren", stellt Vorndran im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin "Capital" fest. Kleinanleger setzen sich seiner Erfahrung nach oft einen zu engen Investmentfokus mit starkem Home Bias oder verlustieren sich in gehypten Branchen. "Mein Rat ist: Finger weg von Einzelaktien." Stattdessen rät Vorndran zu einem Investment in gute Fonds.

Wichtige Marktindizes eilen dieser Tage von Rekord zu Rekord. Das sei erst einmal kein Grund zur Sorge, sagt Vorndran. "Das ist doch normal in einer Welt, in der Unternehmen die Gewinne steigern", sagt er. Schwierig werde es aber, wenn Anleger Gewinne mitnehmen wollen. "Denn dann stehen sie vor der Frage: Was machen sie Gescheiteres mit ihrem Geld", so Vorndran im "Capital"-Gespräch. Andere Anlageklassen als Aktien hält er derzeit für wenig interessant. Er weist darauf hin, dass Qualitätsaktien immer noch die mit Abstand attraktivsten Bewertungen aufweisen. "Wenn man so wie wir davon ausgeht, dass sich die Zinsen in den kommenden Jahren nicht dramatisch ändern werden, dann werden wir an diesen Aktien noch lange unsere Freude haben", sagt er.

Goldene Zwanziger sind noch nicht abgesagt
Mit Blick auf die Realwirtschaft rechnet der FvS-Stratege mit einer eher schwerfälligen Erholung. "Wir gehen davon aus, dass wir uns im Lauf des zweiten Halbjahres der Normalität wieder annähern werden", sagt er. Die Normalisierung werde aber ein zäher Prozess. Ist die Corona-Pandemie endlich überwunden, kann sich Vorndran hingegen einen kräftigen Schub für die Konjunktur vorstellen: Die Menschen dürften wieder rausgehen, in den Urlaub fahren, Restaurants besuchen wollen. Vorndrans Prognose: "Das könnte dann tatsächlich zu goldenen Zwanzigern führen." (fp)