In den Vereinigten Staaten biegt der Präsidentschaftswahlkampf in die heiße Schlussphase ein. Der demokratische Herausforderer Joe Biden plant eine Anhebung der Körperschaftssteuer auf 28 Prozent, der republikanische Amtsinhaber Donald Trump will die Abgaben dagegen senken. Vielen Investoren scheint deshalb klar zu sein, wem sie bei der nahenden US-Wahl die Daumen drücken. Dabei dürften sich die Auswirkungen auf die Kapitalmärkte unabhängig vom Sieger in Grenzen halten. "Viel entscheidender ist der Befund, dass weder Trump noch Biden etwas an den fundamentalen Kapitalmarkt-Treibern ändern werden – weil sie es auch gar nicht können", sagt Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch, im Interview mit "Börse Online".

Im Einzelnen heißt das: Die Zinsen werden tief bleiben. Die USA wird groß dimensionierte Konjunkturprogramme auflegen, um die wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie einzudämmen. Und auch der Konflikt mit China wird nicht verschwinden, ist der Experte überzeugt. "Ob Trump die Steuern senkt, Biden dafür ein größeres Konjunkturpaket schnürt, ist für die US-Wirtschaft letztendlich egal."

Auswirkungen bleiben überschaubar
Ohnehin hält Vorndran es für sehr unwahrscheinlich, dass Biden bei einem Wahlsieg die Unternehmenssteuerreform sofort komplett rückabwickeln würde. Vor 2022 dürfte da nichts passieren. Umgekehrt schaden aber auch die milliardenschweren Corona-Konjunkturpakete der Wirtschaft nicht automatisch weniger, nur weil Trump die Präsidentschaftswahl für sich entscheidet. "Es wird weitere Hilfen geben zulasten der finanziellen Stabilität", sagt der Stratege. Die Frage sei nicht "ob", sondern "wann" und "wie viel". (fp)