Wenn Philipp Vorndran, Investmentstratege bei Flossbach von Storch (FvS), Anleger fragt, wie viel Rendite sie von ihrer Geldanlage erwarten, bekommt er oft die Antwort: fünf Prozent, gerne mehr. Dabei haben die meisten Investoren allerdings die Nominalrendite im Sinn, kommentiert der Experte – "also das, was auf der Anlage draufsteht". Was dabei unter den Tisch fällt: Steuern, Gebühren und nicht zuletzt die Inflation, die die Kaufkraft des Geldes empfindlich schmälern kann. "Zieht man all das ab, bleiben real nicht fünf Prozent übrig, sondern weniger als ein Prozent", stellt Vorndran klar. "Kurzum: Nicht nominal ist wichtig, sondern real nach Kosten und Steuern, wenn es darum geht, Anlageziele und die dazu passende Strategie zu definieren."

Ein weiteres Problem ist, dass vielen Anlegern gar nicht klar ist, wie sie ihre ambitionierten Renditeziele überhaupt erreichen können. Oft parken sie ihr gesamtes Geld – oder zumindest den Großteil davon – auf Sparbüchern, Tages- oder Festgeldkonten, berichtet der Flossbach-Stratege. "Dort liegt die Rendite bei nullkommanull – nominal." Real dürften dann angesichts steigender Inflationsraten und um sich greifender "Verwahrentgelte" oft Verluste entstehen. "Gemessen an der Vermögensstruktur vieler Anleger müsste deren Renditewunsch eigentlich irgendwo zwischen minus zwei (real) und null (nominal) liegen, nicht bei fünf", sagt Vorndran.

Immer realistisch bleiben
Wer mehr will, muss umdenken, betont der Anlageprofi – etwa in Sachwerte investieren, statt Geld auf Bankkonten liegen zu lassen. Oder Aktien erstklassiger Unternehmen kaufen. "Aber auch da gilt: Überschätzen Sie bitte nicht Ihre Investments", mahnt Vorndran. Aktien sehr guter Unternehmen liefern derzeit seiner Einschätzung nach fünf bis sechs Prozent Rendite pro Jahr. "Das erachten wir als eine realistische Größe. Und das ist sehr attraktiv gegenüber den Anlagealternativen", sagt er.

Erfolgreiche Geldanlage beginnt mit einer realistischen Lagebeurteilung, ermahnt Vorndran alle überambitionierten Anleger. "Wer fünf Prozent wünscht, muss sich zuerst im Klaren darüber sein, was er damit meint: nominal oder real." Und er muss zumindest eine Ahnung haben, was nötig ist, um das gesetzte Renditeziel tatsächlich zu erreichen. Denn wenn Wunsch und Wirklichkeit beim Investieren zu weit auseinanderklaffen, wird es schwierig. (fp)