Flossbach-Strategen sehen Fragezeichen hinter KI-Boom
Investitionen in künstliche Intelligenz beflügeln die Phantasie der Anleger. Doch die Ausgaben müssen sich auch in steigende Gewinne ummünzen, mahnen die Investmentprofis des Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch. Ansonsten droht das Platzen einer Blase.
Das Kölner Investmenthaus Flossbach von Storch (FvS) rechnet in seinem Jahres-Kapitalmarktbericht mit einem anhaltenden Siegeszug künstlicher Intelligenz (KI). "Fraglich bleibt, ob sich dieser so auszahlt, wie es die Anleger heute erwarten", warnen die Gründer des Vermögensverwalters, Bert Flossbach und Kurt von Storch, sowie der geschäftsführende Direktor Tobias Schafföner. So habe das Kurs-Gewinn-Verhältnis des US-Aktienmarkts eingedenk der KI-Euphorie ein historisch hohes Niveau erreicht.
"Sollten sich die hohen Erwartungen an die Gewinnentwicklung nicht erfüllen, dürfte auch das Bewertungsniveau fallen", mahnen die Kapitalmarktstrategen. Beides zugleich könnte eine scharfe Korrektur an der Börse auslösen. "Das Platzen einer Blase kann schmerzhaft und teuer werden", warnen die Investmentprofis. "Der verfrühte Ausstieg aber auch, weil euphorische Anleger die Kurse noch weiter in die Höhe treiben", zeigen die Experten das Dilemma auf, in dem Investoren stecken.
"Gigantische Abschreibungen"
Mit Blick auf die Gewinnentwicklung der großen US-Konzerne verweisen die FvS-Strategen auf die massiven Investitionen in Datenzentren und Chips, welche Konzerne wie Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft tätigen. Die immensen Ausgaben würden im Laufe der Zeit auch Abschreibungen nach sich ziehen, so die Investmentprofis. "Natürlich ist davon auszugehen, dass die Investitionen nicht nur gigantische Abschreibungen produzieren, sondern auch Erträge", erläutern die Experten. "Die müssen allerdings ebenfalls gigantisch sein, was heute alles andere als sicher ist."
Die Anpassungsfähigkeit der Technologie-Riesen sollte nicht unterschätzt werden. "Sollten sich Investitionen als weniger rentabel erweisen, verfügen Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft über die finanzielle Stärke, ihre Ausgaben zügig zu reduzieren oder neu zu priorisieren", formulieren es die Strategen. Es handele sich um hochprofitable Unternehmen mit dominanten Marktpositionen und etablierten Geschäftsmodellen. "KI-Investitionen sind damit kein Alles-oder-nichts-Spiel, sondern bieten strategische Optionalität", so die FvS-Experten. "Das Kerngeschäft bliebe auch bei möglichen Fehlinvestitionen intakt."
"Bewertungen deutlich gesunken"
Daneben sehen die Experten einen Aktienmarkt der zwei Geschwindigkeiten. "Selten gab es nach mehreren guten Börsenjahren und rekordhohen Indexständen noch so viele attraktiv bewertete Aktien wie zum Jahreswechsel 2025/2026", meinen die Anlageprofis. Die sehr gute Performance von KI-, Bank- und Rüstungsaktien habe die schwache Kursentwicklung anderer Branchen oder Aktien verdeckt. "In defensiven Bereichen wie Basiskonsum, Gesundheit, Finanz- und IT-Dienstleistungen sind die Bewertungen teilweise deutlich gesunken", argumentieren die Experten. "Das Chance-Risiko-Verhältnis hat sich verbessert, das heißt, die Aktien sind attraktiver geworden."
Schließlich sehen die Kapitalmarktprofis Gold trotz des Höhenflugs weiterhin als gute Absicherung gegen Risiken an. "Steigende Schulden, Fragezeichen hinter der Unabhängigkeit der US-Notenbank und Konfiskationsrisiken in den USA stärken den Charakter als Wertanker", erläutern die Experten. "Auch wenn kurzfristige Rücksetzer möglich und wahrscheinlich sind, bleibt Gold eine Versicherung gegen systemische Risiken." (ert)




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