Asset Manager, die große und bekannte Fonds verwalten, haben nach Einschätzung der Experten von Flossbach von Storch (FvS) einen bedeutenden Vorteil gegenüber Kleinanlegern: Sie stehen in engem Austausch mit dem Management fast aller Unternehmen, an denen sie beteiligt sind. Dadurch können sie die Qualität der Firmenleitung gut beurteilen und werden nicht so leicht von Blendern über den Tisch gezogen. "Vorsichtig sind wir bei Managern, die sich als hochbezahlte Angestellte verstehen, vorzugsweise in Quartalszahlen denken, dabei vor allem aber den persönlichen Erfolg und Geldbeutel im Blick haben", heißt es von dem Vermögensverwalter. Ein weiteres Alarmsignal: Wenn sich Manager im Talkshow-Sessel wohler fühlen als bei der Hauptversammlung ihres Unternehmens.

Je enger der Kontakt zwischen Fondsmanager und Unternehmensleitung ist, desto besser kann Ersterer einschätzen, wo die Stärken und Schwächen der Firma liegen – und desto besser gelingt letztlich die Chance-Risiko-Analyse aus Investorensicht, erklären die FvS-Experten. "Der Fall Wirecard war einmal mehr Beleg dafür, wie wichtig die Unternehmensführung bei der Beurteilung eines Unternehmens, wie wichtig Integrität ist." Zugleich zeige der Fall des einstigen Shooting Stars aber auch, wie schwierig es ist, Topmanager und andere Akteure richtig einzuschätzen. "Viele Investoren mussten das leidvoll erfahren", heißt es von FvS.

Wissen ist Macht
Letztlich liegt es im Wesen eines Betrugs, dass man ihn nicht auf Anhieb erkennt – manchmal nicht einmal auf den zweiten oder dritten Blick. "Es liegt uns deshalb fern, darüber zu urteilen, was man im Fall Wirecard hätte wissen können und was nicht", so die Flossbach-Spezialisten. "Es wäre zudem vermessen, zu behaupten, man selbst sei vor einem ähnlichen Fall gefeit." Ein möglichst tiefes Verständnis von Unternehmen und ihrer Führungsebene helfe aber, Governance-Risiken zu begrenzen. So hatte FvS von einem Investment in Wirecard abgesehen, weil einige Geschäftsbereiche nicht verständlich waren. (fp)