Der für seine konzentrierten High-Conviction-Portfolios bekannte britische Asset Manager Guinness Global Investors hat mit dem Global Environment Fund jüngst ein neues "Überzeugungsprodukt" aufgelegt. Investiert wird in fünf Umweltressourcen: Abfall, Wasser, Lebensmittel, Land und Klima. Ausgerechnet einen Umweltfonds, könnte man sagen, sind doch Produkte, die ökologisch orientierte Anleger ansprechen sollen, in letzter Zeit oft wenig zufriedenstellend gelaufen – gefolgt von der Erkenntnis, dass gut gemeint nicht unbedingt gut für die Performance ist.

Genau diese kritische Überlegung war jedoch der Startpunkt für die Portfoliomanager von Guinness: Sie konnten die schlechte Performance der bestehenden Anbieter im Sektor Umweltressourcen nicht nachvollziehen. Rund 80 Produkte würden sich als Umweltfonds bezeichnen oder in mindestens eines der fünf Themen investieren. "Diese Produkte entwickelten sich in den Jahren 2020 und 2021 wegen der hohen Bewertungen oft sehr gut. 2022 bis 2025 haben sie jedoch massiv unterdurchschnittlich abgeschnitten. Uns hat das irritiert: Wir sehen in diesem Bereich ungefähr 600 mögliche Firmen, und die haben in den letzten 15 Jahren den Index übertroffen", sagt Portfoliomanager Jordan Patel im Gespräch mit der Redaktion.

Wachstum und Qualität
Ein Fehler vieler Umweltfonds aus seiner Sicht: Diese würden oft Qualitätsanbieter komplett untergewichten, und zweitens "haben viele wohl zyklisches Wachstum mit langfristigem, nachhaltigem Wachstum verwechselt", so Patel. Guinness wolle im neu aufgelegten Produkt Wachstum und Qualität verschränken. Auf der Liste stehen 200 Unternehmen, die diese beiden Kriterien erfüllen können. "Das sind 20, 30 Jahre alte Unternehmen, deren Produkte im Bereich der Umweltressourcen wirtschaftlichen Wert für Endkunden schaffen", so Patel.

Dass richtig ausgewählte Nachhaltigkeitstitel längst keine Ideologiefrage, sondern langfristige handfeste Performancebringer sind, das streicht im Gespräch auch Jonathan Waghorn, Fondsmanager der beiden Guinness-Strategien Global Energy und Sustainable Energy, hervor. Waghorn verweist auf den stark steigenden Strombedarf. Dieser werde zwar durch verschiedene Technologien gedeckt werden müssen. Wenn es darum geht, wer den Bedarf am schnellsten decken kann, dann stechen aber besonders erneuerbare Energien, also Solarenergie, Onshore-Windenergie und Batterien zur Speicherung und zur Glättung von Spitzen, hervor, so Waghorn.

Schnelligkeit als Vorteil
"Solche Anlagen können innerhalb von etwa zwei Jahren Strom auf den Markt bringen. Der Bau einer Gas- und Dampfturbinenanlage dauert dagegen vier Jahre. Kohlekraftwerke brauchen sechs Jahre. Daher glaube ich, dass trotz der Vorliebe von US-Präsident Trump für Fossilenergie niemand in den Vereinigten Staaten ein Kohlekraftwerk bauen wird. Und von Kernenergie hören wir zwar viel, etwa vom Neubau und der Wiederbelebung von Kraftwerken oder von Fortschritten bei der Kernfusion. Aber das dauert alles noch länger. Deshalb sind wir von den schnell verfügbaren erneuerbaren Energien überzeugt", erklärt Waghorn.

Für erneuerbare Energien spreche auch die "Netzwerkwarteschlange". "Die Infrastruktur, die darauf wartet, an das US-Stromnetz angeschlossen zu werden, stammt zu 95 Prozent aus dem Bereich Erneuerbare. Allein die Batteriekapazitäten, die auf Einspeisung warten, entsprechen einem Drittel, vielleicht 40 Prozent des US-Stromnetzes", sagt der langjährige Guinness-Fondsmanager und studierte Energieingenieur.

Überraschender Anstieg
Der enorme Bedarfsanstieg habe sogar Experten überrascht. "Next Era, ein großer US-Produzent von Strom aus erneuerbaren Energien und Gas, hat 2021 angenommen, dass der Strombedarf in den USA um zehn Terawattstunden pro Jahr steigt. 2025, vier Jahre später, lag die Erwartung bei 84 Terawattstunden. Eine dramatische Veränderung", so Waghorn.

Auch der hohe Stromverbrauch durch künstliche Intelligenz (KI) spiele eine Rolle.  Aber nicht nur. Generell würde sich die Welt in einem Zeitalter der Elektrifizierung befinden, der Elektrifizierung von Industrie, des Verkehrs, der Gebäudetemperierung. "Weltweit wächst der Energiebedarf um etwa zwei Prozent pro Jahr. Und dabei nimmt der Stromanteil stark zu, von rund 30 auf etwa 60 Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts", so Waghorn. (eml)


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