Fondsmanager warnt: Der Markt wird anfälliger für Enttäuschungen
Den Unternehmen in den USA geht es prächtig, zumindest gemessen an den jüngsten Quartalszahlen. Also spricht nichts gegen eine Fortsetzung der aktuellen Rally an der Börse? Ganz so einfach ist es nicht, meint Ingo Koczwara vom Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz.
Ingo Koczwara, Portfoliomanager beim Münchner Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz, rät Anlegern im aktuellen Marktumfeld zur Vorsicht. Die laufende Berichtssaison falle zwar ungewöhnlich stark aus – sowohl Gewinne als auch Umsätze würden deutlich wachsen, vor allem in den USA. Die Dynamik konzentriere sich aber "auf KI-nahe Geschäftsmodelle und die zugehörige Infrastruktur". Außerdem mehrten sich die "Hinweise auf ein spätzyklisches Marktumfeld", so Koczwara.
Im S&P 500 seien die durchschnittlichen Umsätze der Unternehmen zuletzt um 11,2 Prozent gestiegen, das Gewinnwachstum pro Aktie habe sogar bei 18,2 Prozent gelegen, rechnet der Fondsmanager vor. Auch die großen Technologiekonzerne hätten robuste Zahlen vorgelegt. Koczwara weist jedoch auf ein Ungleichgewicht hin: "Ein großer Teil der Marktperformance entfällt auf wenige KI-nahe Chipwerte, während andere Bereiche deutlich weniger zum Aufwärtstrend beitragen", schreibt er in einem aktuellen Marktkommentar. "Während der IT-Sektor seit Jahresanfang stark zulegte, entwickelten sich Sektoren wie Finanzwerte oder Pharma erheblich schwächer."
"Der Markt honoriert nicht jede KI-Erzählung gleichermaßen"
Positiv fällt dem Vermögensverwalter auf, dass die Anleger die Investitionen in KI "zunehmend differenziert" bewerten: "Der Markt honoriert nicht jede KI-Erzählung gleichermaßen, sondern unterscheidet zunehmend zwischen den Unternehmen, die den Investitionszyklus finanzieren, und jenen, die unmittelbar von ihm profitieren", schreibt Koczwara.
Insbesondere die digitale Infrastruktur stehe aktuell im Fokus. "Chiphersteller sowie Anbieter von Hardware und Netzwerktechnik profitieren davon, dass die großen Cloud-Anbieter massiv in Rechenleistung, Rechenzentren und den Ausbau ihrer Plattformen investieren", erläutert der Fondsmanager. "Damit verschiebt sich ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung entlang der KI-Kette hin zu den Unternehmen, die die physische und technische Grundlage dieser Entwicklung bereitstellen."
"Sehr große Börsengänge in der Pipeline"
Trotz der starken Gewinnentwicklung mehrten sich jedoch Anzeichen für ein "spätzyklisches Umfeld", gibt Koczwara zu bedenken. "Das Konsumentenvertrauen ist rückläufig, geopolitische Risiken bleiben präsent, und die Zinsen – insbesondere am langen Ende – sind hoch geblieben." Gerade diese Kombination sei für die Märkte relevant: "Auf der einen Seite stehen starke Unternehmenszahlen und hohe Investitionserwartungen, auf der anderen Seite ein Finanzierungsumfeld, das weniger unterstützend wirkt als in früheren Aufschwungphasen."
Hinzu komme ein stark momentumgetriebener Markt, in dem Kapitalströme aus passiven Investments bestehende Trends zusätzlich verstärkten und Bewertungsunterschiede weiter vergrößern könnten. "Als weiteres Warnsignal gilt, dass sehr große Börsengänge in der Pipeline stehen", betont der Fondsmanager. "Wenn hoch bewertete Marktführer oder wachstumsstarke Technologieunternehmen zu Spitzenbewertungen an den Kapitalmarkt drängen, erinnert das an vergangene späte Phasen eines Zyklus, in denen viel Optimismus bereits in den Kursen enthalten war." Dies sei noch "kein unmittelbares Warnsignal für eine Trendwende, wohl aber ein Hinweis darauf, dass die Marktphase reifer geworden ist und anfälliger auf Enttäuschungen reagieren könnte", so Koczwara. (fp)















