Investoren sollten ihre Meinung zu Schwellenländern überdenken: "Zahlreiche Anleger halten in ihrer Einschätzung der Schwellenländer immer noch viel zu stark an veralteten Vorstellungen fest", sagt Chetan Sehgal, Emerging-Markets-Experte bei Franklin Templeton. "Das gilt insbesondere für den Bereich der Technologie." Die Zeiten, in denen Unternehmen aus Schwellenländern lediglich ihre Pendants aus den Industrieländern kopierten, sind demnach längst vorbei. Im Gegenteil: "Heute stehen sie mit wachsenden Forschungs- und Entwicklungsbudgets und bahnbrechenden Innovationen ganz vorne", sagt Sehgal.

Viele Anleger gehen allerdings davon aus, dass die Schwellenländer dem Entwicklungspfad der Industrienationen folgen werden. "Tatsächlich aber stehen mehrere Schwellenländer in Bereichen wie E-Commerce, digitaler Zahlungsverkehr, Mobile Banking und Elektrofahrzeuge an der Innovationsspitze", sagt Sehgal. Innovative Unternehmen verwandeln bisherige strukturelle Schwächen in Stärken. "Unbehindert durch unwiederbringliche Investitionen in veraltete Systeme oder Infrastruktur haben sie reichlich Spielraum, um zukunftsorientierte und profitable Lösungen zu finden", sagt der Schwellenland-Experte.

Prominentes Beispiel China
"Das prominenteste Beispiel ist China, wo Unternehmen ihren früheren Nachahmungs- und Simulationsansatz inzwischen hinter sich gelassen und sich dank eigener Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zwecks Differenzierung gegenüber westlichen Produkten an die Spitze vorgearbeitet haben", sagt Sehgal. Angesichts eines Mangels an Einzelhandelsgeschäften und Einkaufszentren begann eine neue Generation wohlhabender und technologisch versierter chinesischer Verbraucher, ihre Waren lieber per Smartphone zu kaufen. "Heute entfällt in China ein sehr viel höherer Anteil der Einzelhandelsumsätze auf E-Commerce als in den USA", sagt der Schwellenland-Experte. Eine ähnliche Entwicklung lässt sich im digitalen Zahlungsverkehr beobachten, wo die langsame Einführung von Kreditkartensystemen Verbraucher dazu veranlasst hat, stattdessen Online-Zahlungsplattformen zu nutzen.

Für Anleger ergeben sich daraus Chancen: "Aus unserer Sicht sind einige der bahnbrechendsten Innovationen aus Schwellenländern hervorgegangen", sagt Sehgal. "Und wir rechnen damit, dass sie in immer mehr Bereichen an der Spitze stehen werden." Bestimmte Unternehmen haben bei der Lösung von Verbraucherproblemen extreme Flexibilität bewiesen. "Diejenigen, denen dies auch weiterhin gelingt, dürften sich eines nachhaltigen Ertragswachstums erfreuen", sagt Sehgal. (fp)