Notenbanker sind sich sicher: Der aktuelle deutliche Anstieg der Verbraucherpreise ist nur eine temporäre Erscheinung. Daher werden sie vorerst nicht an der Zinsschraube drehen. Jedenfalls demonstrierten Zentralbanker wie der Fed-Chef Jerome Powell eine bemerkenswerte Lockerheit angesichts der in die Höhe schnellenden Inflation und dächten nicht daran, die Leitzinsen präventiv zu erhöhen, sagt Marko Behring, Leiter des Asset Managements der Fürst Fugger Privatbank. "Der Traum der Festgeldsparer von steigenden Zinsen ist fürs Erste ausgeträumt", folgert er.

Nach Ansicht der Zentralbanker sind in erster Linie Basiseffekte, die Rückkehr zum Vorkrisen-Preisniveau und vorübergehende Lieferengpässe für den Aufwärtsdruck bei den Preisen verantwortlich. Der Wirtschaftsmotor kommt nach der Coronakrise wieder auf Touren. Und ob ihn die Verantwortlichen direkt im Anschluss mit höheren Zinsen wieder abwürgen wollen, ist laut Behring mehr als fraglich. "Wir werden auf Beweise für eine tatsächliche Inflation oder andere Ungleichgewichte warten", zitiert er Powell.

Aktien statt Festgeld
Behring geht zwar davon aus, dass Anfang 2022 die Anleihenkäufe gedrosselt werden. Die Zinsen für zehnjährige deutsche Staatsanleihen, für zehnjährige US-Staatsanleihen, aber auch für zehnjährige europäische Unternehmensanleihen sind in der ersten Jahreshälfte bereits gestiegen. Doch der Asset Manager beschwichtigt: "Die Zinsanstiege, die wir im Frühjahr am Bondmarkt gesehen haben, sind alles andere als eine Trendumkehr." Daher sein Rat: Anstatt mit Festgeld dürften Anleger mit Aktien auf längere Sicht besser fahren. (fp)