Der chinesische Aktienindex CSI 300 verlor seit seinem Hoch im Februar 18 Prozent, der Hongkonger Börsenindex Hang Seng sogar gut 20 Prozent. Marko Behring, Leiter Asset Management der Fürst Fugger Privatbank, hat eine Erklärung für die Börsentalfahrt: "Vielen Kursrückgängen ging eine Intervention der chinesischen Regierung voraus. Es traf zwar jedes Mal andere Branchen und Unternehmen, aber deren Kurse brachen ein und zogen den Index nach unten." Zuletzt hatte die Regierung Bildungsanbietern verboten, Gewinne zu erwirtschaften. Betroffene Unternehmen büßten daraufhin 45 Prozent ihres Börsenwerts ein. 

Auch der Internetriese Tencent war bereits ins Visier der Behörden geraten und musste die Musik-Urheberrechte der eigenen Musikplattform abgeben. Seit Februar verlor die Aktie daher nahezu die Hälfte an Wert. Wer sein Geld in China-Aktien investiert hat, fragt sich nun, welche Branche es als Nächstes treffen könnte. Ein Ende der Regulierungswelle ist aus Behrings Sicht erstmal nicht absehbar: "Das chinesische System funktioniert über die Ausübung absoluter staatlicher Kontrolle", erklärt der Vermögensprofi. "Peking ist daher in Sorge wegen der wachsenden wirtschaftlichen und sozialen Macht großer Internetkonzerne. Um die zu beschneiden, nimmt die Führung fallende Kurse in Kauf." 

Volatilität könnte steigen
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Kursverluste in China auch irgendwann in Europa und den USA spürbar werden. Davon ist derzeit allerdings noch nichts zu spüren. "Negative Nachrichten aus Asien werden aktuell völlig ausgeblendet", sagt Behring. Das könnte sich allerdings ändern, meint der Experte: "Im Schnitt korrigiert der marktbreite S&P 500 Index alle 178 Tage um mindestens fünf Prozent. Der letzte fünf-Prozent-Rückgang liegt nun schon mehr als 300 Tage zurück." Daher sollten Anleger in den kommenden zwei Monaten mit steigenden Schwankungen auf dem Kapitalmarkt rechnen. (fp)