Viele Anleger fragen sich, ob die weit geöffneten Geldschleusen der Notenbanken im kommenden Jahr die Inflationsrate in die Höhe treiben werden. Ist damit ausschließlich die Entwicklung der Verbraucherpreise gemeint, lautet die Antwort "nein", sagt Marko Behring, Asset-Management-Leiter der Fürst Fugger Privatbank. Er ist sich sicher: Der statistische Warenkorb dürfte auch 2021 kaum teurer werden. Das bedeutet indes nicht, dass überhaupt kein Preisauftrieb zu beobachten wäre. Ganz im Gegenteil.

Die Preise von Aktien, Anleihen, Gold und Immobilien sind im ablaufenden Jahr enorm gestiegen. "Wir leben in Zeiten einer sektoralen Inflation", sagt Behring. Die Aufwärtstrends in vielen Anlageklassen dürften sich im kommenden Jahr fortsetzen, ist er überzeugt. "Das viele Geld, das im Markt ist, sucht sich seinen Weg. Ein Großteil der Zentralbankgelder wird auch nächstes Jahr wieder im Finanzmarkt und auf dem Immobilienmarkt ankommen", so der Experte.

Vorsicht vor Blasenbildung
Der Asset-Management-Chef und sein Team bei der Fuggerbank haben im Herbst die Aktienquote in ihren Mandaten deutlich erhöht. In einzelnen Segmenten des Aktienmarktes mahnen sie allerdings zur Vorsicht: "Wir sehen, dass sich in einigen Bereichen bereits Blasen bilden oder gebildet haben. Die gehypten Börsengänge einiger Stay-at-Home-Aktien in jüngster Zeit oder die aberwitzigen Bewertungen einiger Wasserstoffaktien sind Beispiele dafür", sagt Behring.

Eine weniger lockere Geldpolitik ist nach Einschätzung des Anlageprofis dagegen so bald kein Risiko. "Die Zentralbanken werden erst vom Gas gehen, wenn in der Realwirtschaft eine Rückkehr zur Normalität absehbar ist", sagt er. "Wir gehen daher davon aus, dass der US-Leitzins noch bis 2023 auf dem jetzigen Niveau legen dürfte, und auch in Europa sehen wir bis auf Weiteres keine Abkehr vom Negativzins." (fp)