Der Inflations-Begriff weckt bei Sparern oft Ängste, immerhin bedeutet er den Wertverlust ihres Geldes. Viele lassen dabei außer Acht, dass Inflation auch mit einem steigenden Zinsniveau einhergeht – und ebenjenen Sparern nach jahrelanger Nullzinsphase endlich wieder Erträge auf ihr Vermögen einbringen könnte. Die steigenden Renditen auf US-amerikanische Anleihen haben bei vielen die Hoffnung auf eine solche Zinswende befeuert. Allerdings dürfen sich Anleger nicht zu früh freuen, warnt Marko Behring, Leiter Asset Management bei der Fürst Fugger Privatbank.: "Eine echte Zinswende ist nicht nur auf kurze, sondern auch auf mittlere Sicht unwahrscheinlich."

Der Experte begründet seine Ansicht mit der durch die Coronakrise gebeutelten Weltwirtschaft. "Die Pleitewelle kleinerer und mittlerer Unternehmen beginnt zu rollen, auch wenn die zuerst ausgesetzte und dann verlängerte Insolvenzantragspflicht sie derzeit noch kaschiert." Allein in Deutschland sollen 25.000 Unternehmen betroffen sein. In diesem Umfeld sei es kaum vorstellbar, dass die Zentralbanken den Leitzins heraufsetzen. "Im Gegenteil: Sollte sich die Situation eintrüben, werden sie sogar noch weiter nachlegen", warnt Behring.

Vorübergehender Renditeanstieg
Für Anleiherenditen dürfte das demnach nur einen vorübergehenden Anstieg bedeuten. "Mit dem momentan sichtbaren Anziehen der Renditen dürfte es im Herbst dieses Jahres vorbei sein", sagt der Anlageprofi voraus. "Dann werden wir die realwirtschaftlichen Corona-Folgen zu spüren bekommen, und das könnte die Zentralbanken zum Handeln zwingen." Auf eine langfristige Zinswende dürfen Anleger also vorerst nicht hoffen, so sein Fazit. (fp)