Können Anleger die Anleihen eines Emittenten positiv beurteilen, während sie seine Aktien gleichzeitig abstrafen? Offenbar schon – zumindest für den europäischen Bankensektor: Auf Sicht von fünf Jahren haben sich nachrangige Anleihen von Banken aus Europa deutlich besser entwickelt als deren Aktien, zeigt eine Analyse von Atlanticomnium, einem Partnerunternehmen von GAM Investments.

Atlanticomnium-Experte Romain Miginiac erklärt sich die unterschiedliche Performance mit der Entwicklung der Bilanzen und Gewinne. Einerseits profitierten Anleiheninhaber von der Verschärfung der Regulierungsbedingungen, die zu einem Eigenkapitalaufbau und zu einer Verringerung der Bankbilanzrisiken führe. "Die Fundamentaldaten der Banken waren noch nie stärker", sagt er.

Corona verstärkt die Entwicklung
Andererseits übten die niedrigen oder gar negativen Zinsen und der härtere Konkurrenzkampf Druck auf die Nettozinsmargen und die Erträge aus, während der Kapitalaufbau die Eigenkapitalrendite (ROE) mechanisch verringert – und damit auch die Ertragsaussichten für die Aktionäre beeinträchtigt. Die Covid-19-Krise verstärke diese Entwicklung. Es stehe außer Frage, dass der "beispiellose Schock" für die Wirtschaft nicht spurlos an den Banken vorübergehen wird, sagt Miginiac – vor allem da die Rückstellungen für Kreditverluste in den kommenden Quartalen stark steigen dürften. (fp)