"Es war bisher ein relativ schwieriges Jahr für Schwellenländeraktien und insbesondere für China. Zu Jahresbeginn haben wir von Schwellenländeraktien als Investment-Grade-Nachzügler gesprochen, der auf Wert, Wachstum und Rendite abzielt. Wir halten immer noch an dieser Prämisse fest", schreibt Tim Love, Investment Director für Emerging-Markets-Aktienstrategien bei GAM, in einer aktuellen Markteinschätzung.

Schwellenländeraktien liegen im Jahresverlauf leicht im Minus im Vergleich zu einem deutlichen Aufschwung sowohl des Nasdaq als auch des S&P 500. Schließt man China aus, liegen die Schwellenländermärkte allerdings insgesamt sogar leicht höher als die Industrieländermärkte, hält Love fest. "Dennoch lastet seit dem unruhigen Abwärtstrend jede Menge negativer Druck auf dem Markt. Wann wird dieser Druck nachlassen und Fundamentaldaten in den Vordergrund treten? Wir sind der Meinung, dass diese Übergangsphase nicht sehr lange anhalten wird. Ich denke, der Übergang erfolgt im 4. Quartal 2021, zumal die von uns für das nächste Jahr erwarteten Gewinne gegenüber relativ einfachen Vergleichszahlen solide sein sollten", prognostiziert Love.

Value-Aktien am attraktivsten
Die attraktivsten Möglichkeiten sieht Love derzeit auf der Value-Ebene – insbesondere mit Blick auf nachhaltige Materialien, welche dieses Jahr stark an Wert gewonnen haben; sei es Impala Platin, seltene Erden, Kupfer- und Lithiumwerte – diese Werte erlitten Rückschläge von 20 bis 30 Prozent, während der Ölpreis in die Höhe schoss. Dabei spielten ESG-Themen sowie die Covid-Auswirkungen eine entscheidende Rolle, welche die Lieferketten beeinträchtigten, aber auch vorübergehende Faktoren, die das Timing des Marktes kurzfristig durcheinander gebracht haben. So gingen Gazprom und Lukoil Aktien in die Höhe, während grüne Energieaktien zurückgingen.

 

Love geht von einer Umkehr dieser Entwicklung aus. Was die Inlandsnachfrage betrifft – abgesehen von den weltweiten geopolitischen Risiken –, denkt Love, dass Indien und China ein enormes inländisches Nachfragewachstum zu vernünftigen Preisen bieten; ob es sich um den Einzelhandel oder beispielsweise um inländische Telekommunikationsunternehmen handelt, welche bemerkenswert attraktiv sind. Außerdem bieten sich einige nicht korrelierte Werte, sei es in Indien oder in VARPS (Vietnam, Argentinien, Rumänien, Pakistan und Saudi-Arabien), dem Frontierländer-Universum. Von diesen sind Vietnam und Rumänien Loves Meinung nach innerhalb von VARPS besonders attraktiv. "Ich glaube, die Änderung der Zusammensetzung des EM-Index wurde von vielen nicht richtig wahrgenommen, und das spricht dafür, nun etwas wachstumsorientierter und optimistischer zu sein", sagt Love. (aa)