Europäer, die angesichts des Konflikts mit US-Präsident Donald Trump über Grönland erwägen, ihre Bestände an US-Staatsanleihen als Druckmittel einzusetzen, gingen eine "gefährliche Wette" ein, die nach hinten losgehen könne. Das sagte UBS-CEO Sergio Ermotti.

"Eine Diversifizierung weg von Amerika ist unmöglich", so Ermotti am Dienstag (20.1.) auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos im Interview mit "Bloomberg TV" (Video im Anschluss). "Die USA sind die stärkste Wirtschaft der Welt."

Pensionsfonds baut US-Anleihen ab
Der dänische Pensionsfonds Akademiker-Pension, der rund 100 Millionen Dollar in US-Staatsanleihen hält, will diese bis Ende des Monats abbauen. Auch wenn der Schritt angesichts des Volumens nur von marginaler Bedeutung ist, lenkt er die Aufmerksamkeit auf ein mögliches neues Konfliktfeld in der sich rasch verschlechternden transatlantischen Beziehung.

Die USA haben acht europäischen Ländern – darunter Deutschland, Frankreich und Großbritannien – mit Strafzöllen gedroht, weil sie Trumps Plänen zur Übernahme Grönlands widersprachen. Damit droht ein schwerwiegender Handelskrieg.

Abhängigkeit von ausländischem Kapital
Europäische Länder halten US-Anleihen und -Aktien im Wert von Billionen Dollar, ein Teil davon in öffentlichen Fonds. Das nährt Spekulationen, sie könnten solche Vermögenswerte als Reaktion auf Trumps erneuten Zollkrieg verkaufen. Angesichts der Abhängigkeit der USA von ausländischem Kapital könnte dies die Finanzierungskosten erhöhen und die Aktienmärkte belasten.

Regelbasierte internationale Ordnung ist "faktisch tot"
Der französische Präsident Emmanuel Macron kritisierte Trumps Handelstaktik scharf und sagte, Europa brauche mehr Souveränität, um "Vasallentum und Blutpolitik" zu vermeiden. Der kanadische Premierminister Mark Carney erklärte, die regelbasierte internationale Ordnung sei "faktisch tot".

Investoren, die auf den sogenannten "Sell America"-Trade setzten, sorgten am Dienstag dafür, dass US-Staatsanleihen, Aktien und der Dollar nachgaben.

Im frühen Mittwochshandel (21.1.) lag das asiatische Börsenbarometer MSCI Asia-Pacific 0,7 Prozent im Minus. Futures auf den amerikanischen Aktienindex S&P 500 notierten hingegen 0,3 Prozent im Plus. Gold und Platin markierten neue Rekordstände, Silber lag nahe dem Allzeithoch. (mb/Bloomberg)