Die Deutschen tun sich schwer damit, loszulassen. Zumindest, wenn es ums Bargeld geht, genauer gesagt: den 500-Euro-Schein. Der wird bereits seit eineinhalb Jahren nicht mehr gedruckt, und die europäischen Notenbanken sind emsig damit beschäftigt, alle bestehenden Scheine zu vernichten. Richtig gut zu funktionieren scheint das aber nicht. Auf der Auktionsplattform Ebay werden 500-Euro-Scheine jedenfalls eifrig angeboten und gekauft, zum Teil deutlich über dem Nennwert. Laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) sind Angebote in Höhe von 510 oder 530 Euro pro Schein keine Seltenheit. Ab und zu tauchen sogar Inserate zu deutlich höheren und teils geradezu bizarren Preisen auf, etwa 610 oder 777,77 Euro. 

Das lebhafte Interesse an großen Geldscheinen sorge für Spekulationen, dass die Deutschen in Zeiten von Negativzinsen bereit seien, mehr als den Nennwert für Bargeld auszugeben, wenn sie dadurch dem als "Verwahrentgelt" oder "Guthabengebühr" kaschierten Strafzins dzahlreicher deutscher Banken und Sparkassen entgehen können, schreibt die FAZ. 

Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) sind zurzeit noch 414,6 Millionen 500-Euro-Scheine im Gesamtwert von 207,3 Milliarden Euro in der Eurozone unterwegs. Als Ende April 2019 der Druck der Scheine eingestellt wurde, gab es ungefähr 507 Millionen von ihnen. In den zurückliegenden anderthalb Jahren hat sich ihre Zahl also etwa um ein Fünftel verringert.  Vielfach werde der Schein zur Wertaufbewahrung verwendet, heißt es in Notenbankkreisen. Deshalb tauche er im Geldkreislauf bei der Zentralbank oft gar nicht erst auf.

Mit Papiergeld durch die Pandemie
Eine besondere Rolle spielte die 500-Euro-Banknote in der Finanzkrise 2008/2009. Damals registrierten die Banken einen deutlichen Nachfrage-Anstieg, der womöglich auf ein nur allzu verständliches Misstrauen gegenüber Banken hindeutete. Auch zu Beginn der Corona-Krise stieg die Nachfrage nach Bargeld. Weil keine neuen 500-Euro-Scheine verfügbar waren, mussten offenbar 100-er und 200-er als Ersatz herhalten. Die Bundesbank berichtet von einer ungewöhnlich hohen Nachfrage nach diesen beiden Banknoten im März. (fp)